Er achtete nicht darauf, wurde plötzlich weiß wie die Wand, lauschte und röchelte:

„Da! Da! Hab’ ich’s doch gewußt. Schon wieder der Hillel! Er klopft.“

Ich horchte, ging ins andere Zimmer zurück und zog zu seiner Beruhigung die Verbindungstür hinter mir halb zu.

Es war diesmal nicht Hillel. Charousek trat ein, legte, wie zum Zeichen, daß er wisse, wer nebenan sei, den Finger an die Lippen und überschüttete mich in der nächsten Sekunde und ohne abzuwarten, was ich sagen würde, mit einem Schwall von Worten:

„Oh, mein hochverehrter, liebwerter Meister Pernath, wie soll ich nur die Worte finden, Ihnen meine Freude auszudrücken, daß ich Sie allein und wohlauf zu Hause antreffe.“ — — Er sprach wie ein Schauspieler, und seine schwülstige, unnatürliche Redeweise stand in so krassem Gegensatz zu seinem verzerrten Gesicht, daß ich ein tiefes Grauen vor ihm empfand.

„Niemals hätte ich, Meister, es gewagt, in dem zerlumpten Zustande zu Ihnen zu kommen, in dem Sie mich gewiß schon des öfteren auf der Straße erblickt haben, — doch, was sage ich: erblickt! haben Sie mir doch oft huldreich die Hand gereicht.

Daß ich heute vor Sie hintreten kann mit weißem Kragen und in sauberem Anzug, — wissen Sie, wem ich es verdanke? Einem der edelsten und leider — ach — meist verkannten Menschen unserer Stadt. Rührung übermannt mich, wenn ich seiner gedenke.

Selber in bescheidenen Verhältnissen, hat er dennoch eine offene Hand für Arme und Bedürftige. Von jeher, wenn ich ihn traurig vor seinem Laden stehen sah, trieb es mich aus tiefstem Herzen heraus, zu ihm zu treten und ihm stumm die Hand zu drücken.

Vor einigen Tagen rief er mich an, als ich vorüberging, schenkte mir Geld und versetzte mich dadurch in die Lage, mir gegen Ratenzahlung einen Anzug kaufen zu können.

Und wissen Sie, Meister Pernath, wer mein Wohltäter war? —