Mit Stolz sage ich es, denn ich war von jeher der einzige, der geahnt hat, welch goldenes Herz in seinem Busen schlägt: Es war — Herr Aaron Wassertrum!“ — —
— — Ich verstand natürlich, daß Charousek seine Komödie auf den Trödler, der nebenan lauschte, gemünzt hatte, wenn mir auch unklar blieb, was er damit bezweckte; keinesfalls schien mir die allzuplumpe Schmeichelei geeignet, den mißtrauischen Wassertrum hinters Licht zu führen. Charousek erriet offenbar aus meiner bedenklichen Miene, was ich dachte, schüttelte grinsend den Kopf, und auch seine nächsten Worte sollten mir wahrscheinlich sagen, daß er seinen Mann genau kenne und wisse, wie dick er auftragen dürfe.
„Jawohl! Herr — Aaron — Wassertrum! Es drückt mir fast das Herz ab, daß ich ihm nicht selbst sagen kann, wie unendlich dankbar ich ihm bin, und ich beschwöre Sie, Meister, verraten Sie ihm niemals, daß ich hier war und Ihnen alles erzählt habe. — Ich weiß, die Selbstsucht der Menschen hat ihn verbittert und tiefes, unheilbares — ach, leider nur zu gerechtfertigtes Mißtrauen in seine Brust gepflanzt.
Ich bin Seelenarzt, aber auch mein Gefühl sagt mir, es ist am besten, Herr Wassertrum erfährt nie — auch aus meinem Munde nicht — wie hoch ich von ihm denke. — Es hieße das: Zweifel in sein unglückliches Herz säen. Und das sei ferne von mir. Lieber soll er mich für undankbar halten.
Meister Pernath! Ich bin selbst ein Unglücklicher und weiß von Kindesbeinen an, was es heißt, einsam und verlassen in der Welt zu stehen! Ich kenne nicht einmal den Namen meines Vaters. Auch mein Mütterlein habe ich niemals von Angesicht zu Angesicht gesehen. Sie muß frühzeitig gestorben sein —“ Charouseks Stimme wurde seltsam geheimnisvoll und eindringlich, — „und war, wie ich bestimmt glaube, eine jener tiefseelisch angelegten Naturen, die nie sagen können, wie unendlich sie lieben, und zu denen auch Herr Aaron Wassertrum gehört.
Ich besitze eine abgerissene Seite aus dem Tagebuch meiner Mutter — ich trage das Blatt beständig auf der Brust — und darin steht, daß sie meinen Vater, obschon er häßlich gewesen sein soll, geliebt hat, wie wohl noch nie ein sterbliches Weib auf Erden einen Mann geliebt hat.
Dennoch scheint sie es ihm nie gesagt zu haben. — Vielleicht aus ähnlichen Gründen, weshalb ich z. B. Herrn Wassertrum nicht sagen könnte — und wenn mir das Herz darüber bräche — was ich für ihn an Dankbarkeit fühle.
Aber noch eins geht aus dem Tagebuchblatt hervor, wenn ich es auch nur erraten kann, denn die Sätze sind fast unleserlich vor Tränenspuren: mein Vater, wer auch immer er gewesen war — sein Andenken möge vergehen im Himmel und auf Erden! — muß scheußlich an meiner Mutter gehandelt haben.“
— Charousek fiel plötzlich auf die Knie, daß der Boden dröhnte, und schrie in so markerschütternden Tönen, daß ich nicht wußte, spielte er noch immer Komödie oder war er wahnsinnig geworden:
„Du Allmächtiger, dessen Namen der Mensch nicht aussprechen soll, hier auf meinen Knien liege ich vor dir: verflucht, verflucht, verflucht sei mein Vater in alle Ewigkeit!“