Er biß das letzte Wort förmlich entzwei und horchte eine Sekunde lang mit aufgerissenen Augen.

Dann feixte er wie der Satan. Mir schien es, als hätte Wassertrum nebenan leise gestöhnt.

„Verzeihen Sie, Meister,“ fuhr Charousek nach einer Pause mit mimenhaft erstickter Stimme fort, „verzeihen Sie, daß es mich übermannt hat, aber es ist mein Gebet früh und spät, der Allmächtige wolle es fügen, daß mein Vater, wer immer er auch sein möge, dereinst das gräßlichste Ende nehme, das sich ausdenken läßt.“

Ich wollte unwillkürlich etwas erwidern, allein Charousek unterbrach mich rasch:

„Doch jetzt, Meister Pernath, komme ich zu der Bitte, die ich Ihnen vorzutragen habe:

Herr Wassertrum besaß einen Schützling, den er über die Maßen ins Herz geschlossen hatte, — es dürfte ein Neffe von ihm gewesen sein. Es heißt sogar, er sei sein Sohn gewesen, aber ich will es nicht glauben, denn sonst hätte er doch denselben Namen getragen, in Wirklichkeit aber hieß er: Wassory, Dr. Theodor Wassory.

Die Tränen treten mir in die Augen, wenn ich ihn im Geiste vor mir sehe. Ich war ihm aus ganzer Seele zugetan, als hätte mich ein unmittelbares Band der Liebe und Verwandtschaft mit ihm verknüpft.“

Charousek schluchzte, als könne er vor Ergriffenheit kaum weitersprechen.

„Ach, daß dieser Edeling von der Erde gehen mußte! — Ach! Ach!

Was auch der Grund gewesen sein mag, — ich habe ihn nie erfahren — er hat sich selbst den Tod gegeben. Und ich war unter denen, die zu Hilfe gerufen wurden — — ach, ach, zu spät — zu spät — zu spät! Und als ich dann allein am Totenlager stand und seine kalte, bleiche Hand mit Küssen bedeckte, da — warum soll ich es nicht eingestehen, Meister Pernath? — es war ja doch kein Diebstahl — da nahm ich eine Rose von der Brust der Leiche und eignete mir das Fläschchen an, mit dessen Inhalt der Unglückliche seinem blühenden Leben ein schnelles Ende bereitet hatte.“