Die veratmete Luft, das ewige, alberne Klappen der Billardkugeln, das trockene, unaufhörliche Geräusper eines halbblinden Zeitungstigers mir gegenüber, ein storchbeiniger Zollbeamter, der abwechselnd in der Nase bohrte oder sich mit gelben Zigarettenfingern vor einem Taschenspiegel den Schnurrbart kämmte, ein braunsammetenes Gebrodel ekelhafte, verschwitzter, schnatternder Italiener um den Kartentisch in der Ecke, die bald unter gellem Gekreisch ihre Trümpfe mit dem Faustknöchel hinschlugen, bald unter Brecherscheinungen ins Zimmer spuckten. Und das alles in den Wandspiegeln doppelt und dreifach sehen zu müssen! Es sog mir langsam das Blut aus den Adern. — —
Es wurde allmählich dunkel und ein plattfüßiger, knieweicher Kellner tastete mit einer Stange nach den Gaslüstern, um sich endlich kopfschüttelnd zu überzeugen, daß sie nicht brennen wollten.
So oft ich das Gesicht wandte, immer begegnete ich dem schielenden Wolfsblick des Glasäugigen, der sich dann jedesmal rasch hinter eine Zeitung versteckte oder seinen schmutzigen Schnurrbart in die längst ausgetrunkene Kaffeetasse tauchte.
Er hatte seinen steifen, runden Hut tief aufgestülpt, daß ihm die Ohren fast wagerecht abstanden, machte aber keine Miene, aufzubrechen.
Es war nicht mehr auszuhalten.
Ich zahlte und ging.
Wie ich die Glastür hinter mir zumachen wollte, nahm mir jemand die Klinke aus der Hand. — Ich drehte mich um:
Wieder der Kerl!
Ärgerlich wollte ich nach links biegen, in der Richtung der Judenstadt zu, da drängte er sich an meine Seite und hinderte mich daran.