Wenn der Abend kam, zogen die Wanzen in Scharen gleich Ameisen über die Wände und ich fragte mich erstaunt, warum denn der Kerl in Säbel und Unterhosen mich so gewissenhaft ausgeforscht habe, ob ich kein Ungeziefer hätte.

Fürchtete man vielleicht im Landesgericht, es könne eine Kreuzung fremder Insektenrassen entstehen?

Mittwoch vormittags kam gewöhnlich ein Schweinskopf herein mit Schlapphut und zuckenden Hosenbeinen: Der Gefängnisarzt Dr. Rosenblatt, und überzeugte sich, daß alle vor Gesundheit strotzten.

Und wenn einer sich beschwerte, gleichgültig worüber, so verschrieb er — Zinksalbe zum Einreiben der Brust.

Einmal kam auch der Landesgerichtspräsident — ein hochgewachsener, parfümierter Halunke der „guten Gesellschaft“, dem die gemeinsten Laster im Gesicht geschrieben standen, und sah nach, ob — alles in Ordnung sei: „ob sich noch immer kaner derhenkt hobe“, wie sich der Frisierte ausdrückte.

Ich war auf ihn zugetreten, um ihm eine Bitte vorzutragen, da hatte er einen Satz hinter den Gefangenwärter gemacht und mir einen Revolver vorgehalten. — „Was ich denn wolle“, schrie er mich an.

Ob Briefe für mich da seien, fragte ich höflich. Statt der Antwort bekam ich einen Stoß vor die Brust vom Herrn Dr. Rosenblatt, der gleich darauf das Weite suchte. Auch der Herr Präsident zog sich zurück und höhnte durch den Türausschnitt: — ich solle lieber den Mord gestehen. Eher bekäme ich in diesem Leben keine Briefe.

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Ich hatte mich längst an die schlechte Luft und die Hitze gewöhnt und fröstelte beständig. Selbst, wenn die Sonne schien.

Zwei der Gefangenen hatten schon einige Mal gewechselt, aber ich achtete nicht darauf. Diese Woche war es ein Taschendieb und ein Wegelagerer, das nächste Mal ein Falschmünzer oder ein Hehler, die hereingeführt wurden.