Was ich gestern erlebte, war heute vergessen.
Gegen das Wühlen der Sorge um Mirjam verblaßten alle äußern Begebenheiten.
Nur ein Ereignis hatte sich mir tiefer eingeprägt — es verfolgte mich zuweilen als Zerrbild bis in den Traum.
Ich hatte auf dem Wandbrett gestanden, um hinauf in den Himmel zu starren, da fühlte ich plötzlich, daß mich ein spitzer Gegenstand in die Hüfte stach, und als ich nachsah, bemerkte ich, daß es die Feile gewesen war, die sich mir durch die Tasche zwischen Rock und Futter gebohrt hatte. Sie mußte schon lange dort gesteckt haben, sonst hätte sie der Mann in der Flurstube gewiß bemerkt.
Ich zog sie heraus und warf sie achtlos auf meinen Strohsack.
Als ich dann herunterstieg, war sie verschwunden, und ich zweifelte keinen Augenblick, daß nur Loisa sie genommen haben konnte.
Einige Tage später holte man ihn aus der Zelle, um ihn einen Stock tiefer unterzubringen.
Es dürfe nicht sein, daß zwei Untersuchungsgefangene, die desselben Verbrechens beschuldigt wären, wie er und ich, in der gleichen Zelle säßen, hatte der Gefangenwärter gesagt.
Von ganzem Herzen wünschte ich, es möchte dem armen Burschen gelingen, sich mit Hilfe der Feile zu befreien.