„Wissen Sie vielleicht auch, wie es Herrn Hillels Tochter, dem Fräulein Mirjam geht? Kennen Sie sie?“, fragte ich gepreßt.

„Mirjam? Mirjam?“ — Wenzel legte sein Gesicht in nachdenkliche Falten — „Mirjam? — Gäht sich die öfters in der Nacht zum Loisitschek?“

Ich mußte unwillkürlich lächeln. „Nein. Bestimmt nicht.“

„Dann kenn ich sie nicht,“ sagte Wenzel trocken.

Wir schwiegen eine Weile.

Vielleicht steht in dem Briefchen etwas über sie, hoffte ich.

„Daß den Wassertrum der Deiwel g’holt hat“, fing Wenzel plötzlich wieder an, „wärden Sie sich wohl schon gehärt haben?“

Ich fuhr entsetzt auf.

„No ja.“ — Wenzel deutete auf seine Kehle. — „Murxi, murxi! Ich sag ich Ihnän; es war Ihnän schaislich. Wie sie den Laden aufgebrochen haben, weil er sich paar Täg nicht hat segen lassen, war ich natrierlich der erschte drin; — wie denn nicht! — Und da hat e’ durten g’sässen, der Wassertrum, in einen dreckigen Lähnsessel, die Brust voller Blut und die Augen wie aus Glas. — — — — — Wissen S’, ich bin ich ein handfeste Kerl, aber mir hat sich alles gedräht, sag ich Ihnän, und ich hab’ gemeint, ich hau ich ohnmächtig hi—iin. Furt’ a furt’ hab’ ich mir vorsagen missen: Wenzel, hab’ ich mir vorg’sagt, Wenzel, reg’ dich nicht auf, es is doch bloß ein toter Jud. — Er hat eine Feile in der Kehle stecken gehabt und im Laden war sich alles umedum geschmissen. — Ein Raubmord natierlich.“

„Die Feile! Die Feile!“ Ich fühlte, wie mir der Atem kalt wurde vor Grausen. — Die Feile! So hatte sie also doch ihren Weg gefunden!