Es kann nichts Schlimmes sein, legte ich mir zurecht, weil er so gar keine Aufregung zeigt. Wahrscheinlich eine Herausforderung zum Duell oder etwas Ähnliches.
„Ich bin leider schon so lange hier, daß es mir wie ein Menschenleben vorkommt;“ — ich seufzte unwillkürlich, und er machte sofort eine teilnehmende Miene. „Ich wünsche Ihnen, daß Sie das nicht mitzumachen brauchen, Herr Laponder. Nach allem, was ich sehe, werden Sie wohl bald wieder auf freiem Fuß sein.“
„Wie man’s nimmt,“ antwortete er ruhig, aber es klang wie ein versteckter Doppelsinn.
„Sie glauben nicht?“, fragte ich lächelnd. Er schüttelte den Kopf.
„Wie soll ich das verstehen? — Was haben Sie denn gar so Schreckliches begangen? Verzeihen Sie, Herr Laponder, es ist nicht Neugierde von mir, — lediglich Teilnahme, daß ich frage.“
Er zögerte einen Augenblick, dann sagte er, ohne mit der Wimper zu zucken:
„Lustmord.“
Mir war, als hätte er mich mit einem Stock über den Kopf geschlagen.
Vor Abscheu und Grausen konnte ich keinen Ton herausbringen.
Er schien es zu bemerken und blickte diskret zur Seite, aber nicht das leiseste Mienenspiel in seinem automatenhaft lächelnden Gesicht verriet, daß er über mein plötzlich verändertes Benehmen verletzt gewesen wäre.