Wir wechselten kein Wort weiter und blickten stumm aneinander vorbei. — — —

Als ich mich nach Einbruch der Dunkelheit niederlegte, folgte er sogleich meinem Beispiel, entkleidete sich, hängte sorgsam seine Kleider an den Wandnagel, streckte sich aus und schien, nach seinen ruhigen, tiefen Atemzügen zu schließen, unmittelbar darauf fest eingeschlafen zu sein.

Die ganze Nacht konnte ich nicht zur Ruhe kommen.

Das beständige Gefühl, ein solches Scheusal in meiner nächsten Nähe zu haben und dieselbe Luft mit ihm atmen zu müssen, war mir so gräßlich und aufregend, daß die Eindrücke des Tages, Charouseks Brief und all das erlebte Neue tief in den Hintergrund traten.

Ich hatte mich so gelegt, daß ich den Mörder beständig im Auge behielt, denn ich würde es nicht haben ertragen können, ihn hinter mir zu wissen.

Die Zelle war vom Schimmer des Mondes matt durchdämmert und ich konnte sehen, daß Laponder regungslos, fast starr, dalag.

Seine Züge hatten etwas Leichenhaftes bekommen und der halbgeöffnete Mund erhöhte diesen Eindruck.

Viele Stunden hindurch änderte er nicht ein einziges Mal seine Lage.

Erst spät nach Mitternacht, als ein dünner Mondstrahl auf sein Gesicht fiel, kam eine leise Unruhe über ihn und er bewegte unhörbar die Lippen, wie jemand, der im Schlaf spricht. Es schien immer dasselbe Wort zu sein, — ein zweisilbiger Satz vielleicht, — so wie:

„Laß mich. Laß mich. Laß mich.“