Ein schlanker, weißhaariger, alter Mann lehnt drüben am Spiegel und kreidet sein Queue. Ein verwüstetes, aber seltsam vornehmes Gesicht. Woran erinnert er mich nur?
„Fräulein, wie heißt der Markör?“
Die Kellnerin stützt sich im Stehen mit dem Ellenbogen auf den Tisch, leckt an einem Bleistift, schreibt in Windeseile ihren Vornamen unzählige Male auf die Marmorplatte und löscht ihn jedesmal mit nassem Finger rasch wieder aus. Dazwischen wirft sie mir mehr oder minder sengende Glutblicke zu; — je nachdem sie ihr gelingen. Unerläßlich ist natürlich das gleichzeitige Emporziehen der Augenbrauen, denn es erhöht das Märchenhafte des Blickes.
„Fräulein, wie heißt der Markör?“, wiederhole ich meine Frage. Ich sehe ihr an, sie hätte lieber gehört: Fräulein, warum tragen Sie nicht nur einen Frack? oder etwas Ähnliches, aber ich frage es nicht; mir geht mein Traum zu sehr im Kopf herum.
„No, wie wird er denn heißen,“ schmollt sie, „Ferri heißt er halt. Ferri Athenstädt.“
„So so? Ferri Athenstädt! — Hm, — also wieder ein alter Bekannter.“
„Erzählen Sie mir doch recht, recht viel von ihm, Fräulein,“ girre ich, muß mich aber sofort mit einem Kognak stärken, „Sie plaudern gar so herzig!“ (Ich ekle mich vor mir selber.)
Sie neigt sich geheimnisvoll dicht zu mir, damit mich ihre Haare im Gesicht kitzeln, und flüstert:
„Der Ferri, der war Ihnen früher ein ganz ein Geriebener. — Er soll von uraltem Adel gewesen sein — es ist natürlich nur so ein Gerede, weil er keinen Bart nicht trägt — und furchtbar viel Geld g’habt hab’n. Eine rothaarige Jüdin, die schon von Jugend auf eine ‚Person‘ war“ — sie schrieb wieder rasch ein paarmal ihren Namen auf — „hat ihn dann ganz ausgezogen. — Punkto Geld mein’ ich natürlich. No, und wie er dann kein Geld nicht mehr gehabt hat, is sie weg und hat sich von einem hohen Herrn heiraten lassen: — von dem ..“ — sie flüsterte mir einen Namen ins Ohr, den ich nicht verstehe. „Der hohe Herr hat dann natürlich auf alle Ehre verzichten müssen und sich von da an nur mehr Ritter von Dämmerich nennen dürfen. No ja. Aber daß sie früher eine ‚Person‘ g’wesen ist, hat er ihr halt doch nicht wegwaschen können. Ich sag’ immer —.“
„Fritzi! Zahlen!“ ruft jemand von der Estrade herab. —