Ich lasse meine Blicke durch das Lokal wandern, da höre ich plötzlich ein leises metallisches Zirpen, wie von einer Grille, hinter mir.

Ich drehe mich neugierig um. Traue meinen Augen nicht:

Das Gesicht zur Wand gekehrt, alt wie Methusalem, eine Spieldose, so klein wie eine Zigarettenschachtel, in zitternden Skeletthänden sitzt ganz in sich zusammengesunken — der blinde, greise Nephtali Schaffranek in der Ecke und leiert mit der winzigen Kurbel.

Ich trete zu ihm.

Im Flüsterton singt er konfus vor sich hin:

„Frau Pick,
Frau Hock.
Und rote, blaue Stern
die schmusen allerhand.
Von Messinung, an Räucherl und Rohn.“

— — — — — — — — — — — — — —

„Wissen Sie, wie der alte Mann heißt?“, frage ich einen vorbeieilenden Kellner.

„Nein, mein Herr, niemand kennt weder ihn noch seinen Namen. Er selbst hat ihn vergessen. Er ist ganz allein auf der Welt. Bitte, er ist 110 Jahre alt! Er kriegt bei uns jede Nacht einen sogenannten Gnadenkaffee.“

Ich beuge mich über den Greis, — rufe ihm ein Wort ins Ohr: „Schaffranek!