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Der Fährmann rudert mich in seinem Kahn, der aus acht ungehobelten Brettern besteht, mit komischen schiefen Zuckbewegungen über die Moldau. Die gelben Wasser schäumen gegen das Holz. Die Dächer des Hradschins glitzern rot in der Morgensonne. Ein unbeschreiblich feierliches Gefühl ergreift Besitz von mir. Ein leise dämmerndes Gefühl wie aus einem früheren Dasein, als sei die Welt um mich her verzaubert — eine traumhafte Erkenntnis, als lebte ich zuweilen an mehreren Orten zugleich.

Ich steige aus.

„Wieviel bin ich schuldig, Herr Tschamrda?“

„Einen Kreuzer. Wenn Sie mitg’holfen hätten rudern, — hätt’s zwei Kreuzer ’kost.“

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Denselben Weg, den ich heute nachts im Schlaf schon einmal gegangen, wandere ich wieder empor: die kleine, einsame Schloßstiege. Mir klopft das Herz und ich weiß voraus: jetzt kommt der kahle Baum, dessen Äste über die Mauer herübergreifen.

Nein: er ist mit weißen Blüten besät.

Die Luft ist voll von süßem Fliederhauch.

Zu meinen Füßen liegt die Stadt im ersten Licht wie eine Vision der Verheißung.