Kein Laut. Nur Duft und Glanz.
Mit geschlossenen Augen könnte ich mich hinauffinden in die kleine, kuriose Alchimistengasse, so vertraut ist mir plötzlich jeder Schritt.
Aber, wo heute nacht das Holzgitter vor dem weißschimmernden Haus gestanden hat, schließt jetzt ein prachtvolles, gebauchtes, vergoldetes Gitter die Gasse ab.
Zwei Eibenbäume ragen aus blühendem, niederem Gesträuch und flankieren das Eingangstor der Mauer, die hinter dem Gitter entlang läuft.
Ich strecke mich, um über das Strauchwerk hinüberzusehen, und bin geblendet von neuer Pracht:
Die Gartenmauer ist ganz mit Mosaik bedeckt. Türkisblau mit goldenen, eigenartig gemuschelten Fresken, die den Kult des ägyptischen Gottes Osiris darstellen.
Das Flügeltor ist der Gott selbst: ein Hermaphrodit aus zwei Hälften, die die Türe bilden, — die rechte weiblich, die linke männlich. — Er sitzt auf einem kostbaren, flachen Thron aus Perlmutter — in Halbrelief — und sein goldener Kopf ist der eines Hasen. Die Ohren sind in die Höhe gestellt und dicht aneinander, daß sie aussehen, wie die beiden Seiten eines aufgeschlagenen Buches. —
Es riecht nach Tau, und Hyazinthenduft weht über die Mauer herüber. — — —
Lange stehe ich wie versteinert da und staune. Mir wird, als träte eine fremde Welt vor mich, und ein alter Gärtner oder Diener mit silbernen Schnallenschuhen, Jabot und sonderbar zugeschnittenem Rock kommt von links hinter dem Gitter auf mich zu und fragt mich durch die Stäbe, was ich wünsche.
Ich reiche ihm stumm den eingewickelten Hut Athanasius Pernaths hinein.