Charousek wehrte heftig ab:
„Lassen wir das — fragen Sie lieber, was Dr. Wassory den Hals gebrochen hat! — Oder wünschen Sie, daß wir ein andres Mal darüber sprechen? — Der Regen hat nachgelassen. Vielleicht wollen Sie nach Hause gehen?“
Er senkte seine Stimme, wie jemand, der plötzlich ganz ruhig wird. Ich schüttelte den Kopf.
„Haben Sie jemals gehört, wie man heutzutage den grünen Star heilt? — Nicht? — So muß ich Ihnen das deutlich machen, damit Sie alles genau verstehen, Meister Pernath!
Hören Sie zu: Der ‚grüne Star‘ also ist eine bösartige Erkrankung des Augeninnern, die mit Erblinden endet, und es gibt nur ein Mittel, dem Fortschreiten des Übels Einhalt zu tun, nämlich die sogenannte Iridektomie, die darin besteht, daß man aus der Regenbogenhaut des Auges ein keilförmiges Stückchen herauszwickt.
Die unvermeidlichen Folgen davon sind wohl greuliche Blendungserscheinungen, die fürs ganze Leben bleiben; der Prozeß des Erblindens jedoch ist meistens aufgehalten.
Mit der Diagnose des grünen Stars hat es aber eine eigene Bewandtnis.
Es gibt nämlich Zeiten, besonders bei Beginn der Krankheit, wo die deutlichsten Symptome scheinbar ganz zurücktreten, und in solchen Fällen darf ein Arzt, obwohl er keine Spur einer Krankheit finden kann, dennoch niemals mit Bestimmtheit sagen, daß sein Vorgänger, der andrer Meinung gewesen, sich notwendigerweise geirrt haben müsse.
Hat aber einmal die erwähnte Iridektomie, die sich natürlich genau so an einem gesunden Auge wie an einem kranken ausführen läßt, stattgefunden, so kann man unmöglich mehr feststellen, ob früher wirklich grüner Star vorgelegen hat oder nicht.
Und auf diese und noch andere Umstände hatte Dr. Wassory einen scheußlichen Plan aufgebaut.