Ein Bild zuckt in der Erinnerung vor mir auf und erlischt sofort: Das Bild, wie „Prokop lauscht, wie ich es vor einer Stunde gesehen, — über das Kanalgitter gebeugt — und ein Todesschrei gellt aus der Erde empor.“

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Ich will rufen und kann nicht. Kalte Finger greifen mir in den Mund und biegen mir die Zunge nach unten gegen die Vorderzähne, daß es wie ein Klumpen meinen Gaumen erfüllt und ich kein Wort hervorbringen kann.

Ich kann die Finger nicht sehen, weiß, daß sie unsichtbar sind, und doch empfinde ich sie wie etwas Körperliches.

Und klar steht es in meinem Bewußtsein: sie gehören zu der gespenstischen Hand, die mir in meinem Zimmer in der Hahnpaßgasse das Buch „Ibbur“ gegeben haben.

„Wasser, Wasser!“ schreit Zwakh neben mir. Sie halten mir den Kopf und leuchten mir mit einer Kerze in die Pupillen.

„In seine Wohnung schaffen, Arzt holen — der Archivar Hillel kennt sich aus in solchen Dingen — — zu ihm bringen!“ — beraten sie murmelnd.

Dann liege ich starr wie eine Leiche auf einer Bahre und Prokop und Vrieslander tragen mich hinaus.

Wach

Zwakh war vor uns die Treppen hinaufgelaufen und ich hörte, wie Mirjam, die Tochter des Archivars Hillel, ihn ängstlich ausfragte und er sie zu beruhigen trachtete.