Lämmlein ist so fromm und sanft,
Nährt sich von des Grases Blüten
Spielend an des Baches Ranft.“
Und sie vergoß dabei Tränen tiefster Rührung.
Dann tollten sie wieder durch das saftige Grün, bis sie umfielen.
Kam er abends erhitzt vom kindlichen Spiele nach Hause, sagte Frau Bovis, seine Mähne nachdenklich betrachtend, immer nur: „Jugend hat keine Tugend,“ — und — „Junge, wie du heute wieder mal unfrisiert aussiehst!“ (Sie war so gut.)
Alois reifte zum Jüngling, und das Lernen war seine Lust. In der Schule allen ein Vorbild, glänzte er stets durch Fleiß und gute Sitten, — und im Singen und in „Vaterländischer Ruhmesgeschichte“ hatte er durchwegs Ia.
„Nicht wahr, Mama,“ sagte er immer, wenn er mit einem Lob des Herrn Lehrers heimkam, „nicht wahr, ich darf später in die Kadettenschule?“
Da mußte sich jedesmal Frau Bovis abwenden und eine Träne zerdrücken. „Er weiß ja nicht, der gute Junge,“ seufzte sie, „daß dort nur wirkliche Schafe aufgenommen werden“, — streichelte ihn, zwinkerte verheißungsvoll mit den Augen und sah ihm gerührt nach, wenn er, hochaufgeschossen, wie er war, mit dem ein wenig dünnen Hals und den weichen X-Beinen der Flegeljahre wieder hinaus an seine Schulaufgaben ging.
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