Durch alle möglichen Mittel trachtete er offenbar, irgend etwas ihm äußerst dringend Scheinendes dem auf dem Flaschendeckel sitzenden Prinzen verständlich zu machen.

Ja, er schlug und sprang zuletzt gegen die Wandungen, als wolle er sie zerbrechen oder gar die Flasche umwerfen.

Dabei hatte es den Anschein, als schreie er laut, obwohl natürlich nicht das leiseste Geräusch durch das fußdicke Glas drang.

Die pantomimischen Gebärden und Verrenkungen des Pierrots beantwortete der Perser von Zeit zu Zeit mit einem Lächeln, — oder er wies mit dem Finger auf die Sänfte.

Die Neugier des Publikums erreichte den Höhepunkt, als man bei einer solchen Gelegenheit deutlich bemerkte, daß der Pierrot sein Gesicht längere Zeit fest an das Glas drückte, wie um etwas drüben am Sänftenfenster zu erkennen, dann aber plötzlich wie ein Wahnsinniger die Hände vor den Kopf schlug, als hätte er etwas Gräßliches erblickt, auf die Knie fiel und sich die Haare raufte. — Dann sprang er auf und raste mit solcher Schnelle in der Flasche herum, daß man bei den spiegelnden Verzerrungen manchmal nur noch ein helles, umherflatterndes Tuch zu sehen vermeinte.

Groß war auch das Kopfzerbrechen im Publikum, was es denn eigentlich mit der „Dame in der Sänfte“ für eine Bewandtnis habe; man konnte wohl wahrnehmen, daß ein weißes Gesicht an das Sänftenfenster gepreßt war und unbeweglich zur Flasche hinübersah, — alles andere aber verdeckte der Schatten, und man war auf bloßes Raten angewiesen.

„Was nur der Sinn dieses unheimlichen Puppenspieles sein mag?“ flüsterte der blaue Domino und schmiegte sich ängstlich an den „Junker Hans“.

Erregt und mit gedämpfter Stimme tauschte man seine Meinungen aus.

Einen so recht eigentlichen Sinn habe das Stück nicht, — — nur Dinge, die nichts Gehirnliches bedeuten, könnten den verborgenen Zutritt zur Seele finden, — meinte ein Feuersalamander, und so, wie es Menschen gebe, die beim Anblick der wässerigen Absonderungen blutleerer Leichen, von erotischem Taumel geschüttelt, kraftlose Schreie der Verzückung ausstoßen, so gebe es gewiß auch — — — — — —

„Kurz und gut: Wollust und Entsetzen wachsen auf einem Holz,“ unterbrach die Fledermaus, „aber glaubt mir, ich zittere am ganzen Körper vor Aufregung, es liegt etwas unsagbar Grauenhaftes in der Luft, das ich nicht abschütteln kann; immer wieder legt es sich um mich wie dicke Tücher. — Geht das von dem Puppenspiel aus? — Ich sage: nein; auf mich strömt es vom Prinzen Darasche-Koh über. Warum sitzt er so scheinbar teilnahmlos da oben auf der Flasche? Und doch läuft manchmal ein Zucken über sein Gesicht!! — — — Irgend etwas Unheimliches geht hier vor, ich lasse mir’s nicht nehmen.“