„Verdammte Spießbürger“, ergänzte doppelsinnig das Gigerl, schob das Kinn vor und zerrte mit dem Zeigefinger ungeduldig an dem Rande seines Stehkragens. —

Eine peinliche Stille entstand — der Baurat schwieg, der Oberinspektor spuckte verlegen zwischen seine Stiefel, und der vorlaute junge Mann sah etwas gedrückt zum Fenster hinaus, an dem die vorüberfliegenden Telegraphendrähte sich hoben und senkten.

Selbst der Zug schien den allgemeinen Druck mitzuspüren und schlug, wie um der bedenklichen Stimmung ein Ende zu bereiten, ein geradezu rasendes Tempo ein. —

Verfluchtes Gerumpel! — Die Waggons schleuderten und rasselten, die Fensterscheiben klirrten. —

Bald befanden sich die beiden Alten wieder auf den breiten Bahnen der üblichen Bürgergespräche. —

Verstehen konnte man freilich nichts, denn das Rasseln war schauderhaft.

Nur hie und da tauchten ein paar abgerissene Sätze an die Oberfläche: „Ich wäre natürlich gar nicht gefahren, wenn ich gewußt hätt’, daß das Barometer gefallen ist, — der Maxl, — Quarta — Kunstgeschichte — Griechisch, — unglaublich, mit was sich der Bub alles den Kopf einnimmt.“ —

„Na, meine Tochter erst — nächsten Monat wird sie zwanzig — prachtvolles rotes Haar — hundsmager und hat immer so alberne Redensarten: den ganzen Tag hört man: ‚Tut sich, macht sich, Prinzeß‘ —, ganz sinnlos — das kommt von den dummen modernen Romanen — Maeterlinck — Gehirnerweichung — polizeilich verbieten.“ — — —

Den jungen Mann mußte offenbar eine tiefe Sorge plötzlich überfallen haben, denn er hatte an den Gesprächen nicht den geringsten Anteil mehr genommen, vielmehr aufmerksam das grüne baumelnde Fensterband angestarrt und schließlich ein Notizbuch herausgezogen, in dem er angestrengt rechnete.

„Der Herr von Vacca wird’s gewiß wissen“, störte ihn der Herr Baurat, als das Schleudern ein wenig nachließ: „Sagen Sie, bitte, wie heißt der Roman von Prévost, den sie jetzt im Sommertheater sogar aufführen?“