Der Mond war quer über den Himmel geschlichen; vorsichtig hatte der Misthaufen zuerst auf der linken Seite einen blauschwarzen Schatten herausgebleckt, ihn allmählich wieder eingezogen, dann rechts herausgebleckt — weiter, immer weiter, bis er endlich ganz und gar die Herrschaft über ihn verloren. Und nichts von alldem hatte das Schwein beachtet, wie doch sonst in hellen Nächten. So sehr jagten sich seine Gedanken!
Schon quoll der erregende Hauch des Morgengrauens aus der Erde, brutwarm stank es aus den Bauernhäusern, und immer noch grübelte Veronika. Grübelte und grübelte. Und Erinnerungen aus der Jugendzeit, an Alma, die liebliche Stiefschwester, und die andern — — alle — — alle, wurden wieder neu. Gott, wie war es doch damals nur gewesen?! Richtig, richtig, ja — — — der schöne Mann mit der Ballonmütze aus schwarzer Seide und dem blanken Messer als Hüftzier war eines Tages gekommen und hatte Alma genommen. Und der Papa hatte gesagt: „Es ist ein Theaterdirektor, er hat Alma entdeckt.“
Und die Mama hatte gesagt: „Wegen ihrer rosa Hautfarbe kam er, — sie ist nicht wie ihr; — ach, und so verführerisch konnte halt das Mädchen mit dem Busen wogen. Sie wird bestimmt Koloratursängerin.“
Eine ganze Woche hatten sie dann allesamt auf dem Misthaufen gelegen und rastlos geübt, verführerisch mit dem Busen zu wogen.
Wohl war von Zeit zu Zeit, wenn die Kirchweih nahte, der Theaterdirektor mit der Mütze immer wieder gekommen und hatte zur Feier des frommen Festes ein Familienmitglied an den Ohren weggeführt, aber von Alma sprach er nie.
„Soll ich denn auch auf ihn warten?“ überlegte Veronika. „Soll ich nicht?“
Unentschlossen zählte sie an ihren zwölf Knöpfen ab: soll ich, soll ich nicht — —
Soll ich nicht! — kam heraus. Da erhob sich Veronika, schüttelte den Tau von den Borsten und blickte in den Himmel. Es gähnte der Morgen, rosenrot barst der junge Tag. Rosenrot. — — Wie Schminke.
Da frohlockte das Schwein ob des günstigen Zeichens. Und suchend blickte es umher.
„Ja, was wär’ denn jetzt gar dös?! Ein grünwollenes Futteral liegt da?!“