Und erst langsam, dann schneller, immer schneller vollführte es ein idiotisches Getrappel auf den Brettern.
Hie und da quiekte es schrill dazwischen.
Wilhelm Tell war geflüchtet und hatte sich laut weinend hinter die Kulissen verkrochen. Den Souffleur hatte der Schlag getroffen. Nur im Publikum rührte sich nichts.
Minutenlang kam kein Laut aus dem schwarzen gähnenden Rachen des Zuschauerraums.
Dann aber brach es los wie ein Erdbeben.
„Allppenkunscht, Allppenkunscht, der Dichchter ischt sichcherlichch ous der Schwiez gsi“, röchelte ein Schweizer Kritiker ohne Hemdkragen.
Rechtschaffene Männer mit Hirschhornknöpfen wuchsen aus dem Boden, hinter wallenden Bärten, die blauen treu-dreieckigen Augen mit deutscher Biederkeit gefüllt.
Im Stehparterre war eine Druse pechschwarz gekleideter Oberlehrer aufgeschossen, und aus ihrer Mitte stieg ein hohler Ton ekstatisch zum Himmel an: „Anz Pfaderland, anz dojre, schlüs düch an.“ Es war da des Patriotismus kein Ende mehr! Und der einzige Oskar-Wilde- und Maeterlinck-Verehrer der Stadt, ein degenerierter Zugereister, hielt sich zitternd in der Toilette verborgen.
Veronika war ein gemachtes Schwein von Stund an. Immer wieder mußte es den famosen Schuhplattler wiederholen und Arm in Arm mit dem Herrn Regisseur unzählige Male vor der Rampe erscheinen.
Das Stück konnte gar nicht zu Ende gespielt werden, — Geßler blieb unerschossen zum großen Ärger der anwesenden Schweizer — und in den Korridoren noch wollte sich die Begeisterung nicht legen. Und fast wäre es zu Tätlichkeiten gekommen, als der Herr Charcutier Schoißengeyer aus Linz es wagte, mitten in den allgemeinen Enthusiasmus hinein bedenklich den Kopf zu schütteln und sich zu den Worten: „I woaß nöt, i glaub halt allaweil, ’s is a Sau“, hinreißen zu lassen.