—————————
Veronikas Ruhm wuchs von Tag zu Tag. Ein „Veronikatheater“ wurde gegründet, und Schliersee, Bayerns berühmte Jodlquelle, als mutmaßlicher Geburtsort der Künstlerin, war in aller Munde. Kein Stück dürfe mehr die Zensur passieren, wenn es nicht mindestens 500 Meter über dem Meeresspiegel spielte, gellte der Schrei der Zeit.
An alle Fürstenhöfe drang die frohe Kunde, schon wieder sei die deutsche bodenständige Kunst auferstanden; — und selbst die scheue norddeutsche Herzogin Meta wurde aufmerksam und ließ sich berichten.
„Ach, lieber Graf,“ so sagte eines Tages die hohe Frau, „wie heißt doch nur das neue urwüchsige Bauerndrama, das so allgemein gefällt? Der — — der — — Seppell, — ach, es war ja aber noch ’ne Bezeichnung oder ein Vorname bei, der — — der — —“
„Es läßt sich nur unzulänglich ins Hochdeutsche übersetzen, Hoheit“, hatte da errötend der Zeremonienmeister erwidert. „Der äh, der äh, der — ‚Fäkalien-Joseph‘, das käme dem Sinne noch am nächsten. Ein neu aufgefundenes Fragment,“ fuhr er dann hastig fort, um das Peinliche des Eindrucks zu verwischen, „ein Fragment aus dem Nachlasse des leider allzu früh verewigten Volksdichters Hinterstoißer, voll packenden Realismusses und so ganz mitten aus dem pulsierenden Leben des Volkes geschöpft. Wie denn überhaupt Xaver Hinterstoißer es wie kein zweiter verstand, sich an die Natur anzulehnen. Ja, wahrlich, wahrlich: natura artis magistra.“
Und da hatte die hohe Frau neugierige Augen gemacht und sogleich die Reise nach Süddeutschland angeordnet, um nicht die letzte zu sein.
3
Stilles Glück
Wer kennt nicht Frau Veronika Schoißengeyers niedliches Landhaus draußen ganz am Ende der Vorstadt! Mit spiegelnden, fröhlichen Fensterlein guckt es gar schelmisch über die Flur, wenn Frau Sonne gütig herniederlacht.
Frau Veronika Schoißengeyers Villa.
Ja, staune du nur, schöne Leserin! Frau Veronika Schoißengeyers Villa. Denn kaum ein paar Jährlein, oder so, waren ins Land gegangen, seit wir Zeugen von Veronikas Triumphen gewesen, als die