Seitdem habe ich bei Wischnu geschworen, nichts dergleichen mehr zu besichtigen.
Ich gebe lieber ganz offen zu, daß ich ein verkommener Mensch bin, der kein Interesse an den Dingen hat, die die Nation mit Stolz erfüllen — den selbst die erbeutetsten Kanonen langweilen und dessen Herz auch beim Anblick der Spitzenbinden Klothilde der Keuschen nicht höher schlägt.
So ein Kerl wie ich weiß nichts Besseres zu tun, als auf einer Reise in den Straßen herumzubummeln, Leute zu betrachten, stundenlang auf dem Tandelmarkt zu stehen oder in Schaufenster zu gucken. —
So hatte auch ich es wieder einmal den ganzen Tag getrieben, und als der Abend kam, zog ich meinen Kompaß aus der Tasche und schlug jene Richtung ein, die am schnellsten und sichersten weg von dem Theater der Stadt führt. —
Ein zweites Theater gab es bestimmt nicht, das hatte mir ein Polizeimann auf Ehrenwort versichert, und so war ich denn ganz beruhigt. —
Nicht lange, und ich studierte das auffallende Plakat der „Wiener Orpheum-Gesellschaft“ beim Schein der darüberhängenden roten Laterne:
„Izzi Pizzi, die reizende jugendliche Chansonette, genannt der ‚Stolz von Hernals‘, debütiert heute abermals,“ so las ich, schlug an meine Brust, ob ich meine Brieftasche auch ganz sicher bei mir habe, und betrat mit dem entschlossenen Schritte des Wüstlings das „Schwarze Roß“. So wurde das Lokal genannt — offenbar nach dem bärtigen Besitzer, der mir eine Glastür wies. —
Ein langes, schmales Zimmer, gesteckt voll. — Ich setze mich an jenen Tisch, der mit „reserviert“ bezeichnet ist und daher dem Kenner sagt, daß hier nur Wüstlinge sitzen dürfen. —
Soeben betritt Izzi Pizzi das Podium und singt das herrliche Lied: „Ja, mir von Lerchenfeld, mir san hussarisch g’stellt.“ — Bei dem Worte Lerchenfeld produziert sie jedesmal eine Armbewegung von unnachahmlicher Grazie, tritt mit dem linken Fuß zurück und stellt ihn auf die Spitze.
Die oder keine, flüstert mein pochendes Herz.