„Otschischciena — Tischwein auf Deutsch, ein russischer Labetrunk, den wir immer vor dem Champagner nehmen — Damen und Herren —, sieht genau aus wie gewöhnliches Wasser, — Sie sehen“, sage ich und schenke das Glas der Alten voll.

Das meinige fülle ich unbemerkt mit wirklichem Trinkwasser.

„Man muß das ganze Glas auf einen Ruck hinunterstürzen, sonst leidet der Geschmack darunter; ich werde mir erlauben, es Ihnen vorzumachen, gnädige Frau — sehen Sie, so ...“

Ich weiß nicht, woraus Otschischciena gemacht wird, ich weiß auch nicht, ob der Erfinder dieses Getränkes überhaupt ein lebender Mensch war, ich weiß nur eines, rauchende Salpetersäure ist lauwarmes Weihwasser dagegen.

Ein Gefühl des Mitleides beschlich mich, wie ich sah, daß die alte Frau das volle Glas wirklich so hinunterstürzte.

Selbst Chingagook, der große Häuptling der Mohikaner, wäre tot zusammengebrochen.

Die Gardedame aber verzog keine Miene, sie hatte die Augen niedergeschlagen und griff nach ihrer Frisur.

Sie wird jetzt eine lange Hutnadel hervorziehen und sie mir ins Herz bohren, denke ich mir. Doch nichts Ähnliches geschieht. Die Alte schaut mir voll ins Gesicht mit dankbarem Blick: „Wirklich ausgezeichnet, Herr Baron.“

„Ich möchte auch einmal kosten“, lispelt Izzi und macht einen kleinen Schluck.

Dann fischt sie ein hineingefallenes Insekt aus dem Glas und trällert so gewiß: „Die Flieg’n kommt mir spanisch vor, spanisch vor, spanisch vor.“