Daß aus einer Cancanstimmung wie dieser — aus einer Atmosphäre von Zigeunermusik, Cake-Walk und Champagner ein Gespräch über phantastische Dinge auftauchen konnte?! Lord Hopeleß erzählte etwas.

Von einer Brüderschaft, die allen Ernstes existiere, von Menschen — besser gesagt, von Toten oder Scheintoten, — Leuten aus besten Kreisen, die im Munde der Lebenden schon seit langem gestorben seien, sogar auf dem Friedhof Leichensteine und Grüfte mit Namenszug und Todesdatum besäßen, in Wirklichkeit aber in jahrelangem, ununterbrochenem Starrkrampfe irgendwo in der Stadt, im Innern eines altmodischen Hauses, bewacht von einem buckligen Diener mit Schnallenschuhen und gepuderter Perücke, den man den gefleckten Aron nenne, empfindungslos, geschützt vor Verwesung, in Schubladen lägen. — In gewissen Nächten trete ihnen ein mattes, phosphoreszierendes Leuchten auf die Lippen, und damit sei dem Krüppel das Zeichen gegeben, eine geheimnisvolle Prozedur an den Halswirbeln dieser Scheinleichen vorzunehmen. Sagte er.

Frei könnten ihre Seelen dann umherschweifen — auf kurze Zeit von ihren Leibern gelöst — und sich den Lastern der Großstadt hingeben. Mit einer Intensität und einer Gier, die selbst nicht für den Raffiniertesten ausdenkbar sei.

Unter anderem fände da ein vampirartiges, zeckenhaftes Sichansaugen an die von Laster zu Laster taumelnden Lebenden statt, — ein Stehlen, ein Sichbereichern am Nervenkitzel der Massen. Sogar Satzungen habe dieser Klub, der übrigens den kuriosen Namen Amanita führen solle, und Statuten und strenge Bestimmungen, die Aufnahme neuer Mitglieder betreffend. Doch darüber läge ein undurchdringlicher Schleier des Geheimnisses.

Das Ende dieses Gespräches des Lord Hopeleß konnte ich nicht mehr verstehen, zu laut fielen die Musikanten mit dem neuesten Gassenhauer ein:

„Ja, ja die Kla—re

Ist mir die wah—re.

Trala, trala, trala,

Tra—lalala—la.“

Die grotesken Verrenkungen eines Mulattenpaares, das dazu eine Art Niggercancan tanzte, all dies wirkte wie die wortlose Verstärkung des verstimmenden Einflusses, den die Erzählung auf mich genommen.