In diesem Nachtlokal mitten unter geschminkten Straßendirnen, frisierten Kellnern und brillant-hufeisengeschmückten Zutreibern bekam der ganze Eindruck etwas Lückenhaftes, Verstümmeltes und gerann in meinen Sinnen zu einem grauenvollen, halblebenden Zerrbild.
Wie wenn die Zeit in unbewachten Momenten plötzlich einen geräuschlos hastenden Schritt tue, verbrennen Stunden in unserm Rausche zu Sekunden, wie Funken in der Seele aufglimmend, um ein krankhaftes Geflecht kurioser, waghalsiger Träume, geschlungen aus wirren Begriffen, aus Vergangenheit und Zukunft, zu beleuchten.
So höre ich noch aus dem Dunkel der Erinnerung heraus eine Stimme sagen: „Wir sollten dem Klub Amanita eine Karte schreiben.“
Wie ich jetzt schließen kann, muß also das Gespräch immer wieder zum selben Thema zurückgekehrt sein.
Dazwischen dämmern mir Bruchstücke kleiner Wahrnehmungen auf, wie das Zerbrechen eines Likörglases, ein Pfiff, — dann, daß eine Französin auf meinem Knie gesessen, mich geküßt, mir Zigarettenrauch in den Mund geblasen und die Zungenspitze ins Ohr gesteckt habe. Später wieder schob man mir eine verschnörkelte Karte hin, ich solle mitunterschreiben, und mir fiel der Bleistift aus der Hand, — und dann ging es wieder nicht, weil mir die Kokotte ein Glas Champagner über die Manschette goß.
Deutlich weiß ich nur, wie wir alle mit einem Schlage ganz nüchtern wurden und in unseren Taschen, auf und unter dem Tische nach der Karte suchten, die Lord Hopeleß mit aller Gewalt zurückhaben wollte, die aber spurlos verschwunden blieb.
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„Ja, ja die Kla—re
Ist mir die wah—re“
kreischten die Geigen den Refrain und versenkten unser Bewußtsein immer wieder in tiefe Nacht.