Den Kopf hatte sie vorgebeugt und die phantastischen schwarz und purpur gesprenkelten Blütenzungen eines birmesischen Bulbophyllums waren in ihrem Haar verfangen, wie um neue, unerhörte Sünden ihr ins Ohr zu raunen. Damals begriff ich, wie man um solch ein Weib seine Seele geben könne. — — — — —

— — — Der Russe lag zu ihren Füßen. — Auch er sprach kein Wort. — —

Das Fest war fremdartig — wie die Orchideen selbst — und seltsamer Überraschungen voll. Ein Neger trat durch die Portieren und bot glitzernde Bologneser Tränen in einer Jaspisschale an. — Ich sah, wie Mercedes lächelnd dem Russen etwas sagte, — sah, wie er eine Bologneser Träne zwischen die Lippen nahm, lange so hielt und sie dann seiner Geliebten gab.

In diesem Augenblick schnellte, losgerankt aus dem Dunkel des Blättergewirres, eine riesige Orchidee, — das Gesicht eines Dämons, mit begehrlichen, durstigen Lefzen, — ohne Kinn, nur schillernde Augen und ein klaffender, bläulicher Gaumen. Und dieses furchtbare Pflanzengesicht zitterte auf seinem Stengel; wiegte sich wie in bösem Lachen, — auf Mercedes’ Hände starrend. Mir stand das Herz still, als hätte meine Seele in einen Abgrund geblickt.

Glauben Sie, daß Orchideen denken können? Ich habe in jenem Augenblick gefühlt, daß sie es können, — gefühlt, wie ein Hellsehender fühlt, daß diese phantastischen Blüten über ihre Herrin frohlockten. — Und sie war eine Orchideenkönigin, diese Kreolin mit ihren sinnlichen, roten Lippen, dem leise grünlichen Hautschimmer und dem Haar von der Farbe toten Kupfers. — — — Nein, nein — Orchideen sind keine Blumen, — sind satanische Geschöpfe. — Wesen, die nur die Fühlhörner ihrer Gestalt uns zeigen, uns Augen, Lippen, Zungen in sinnbetörenden Farbenwirbeln vortäuschen, daß wir den scheußlichen Vipernleib nicht ahnen sollen, der sich — unsichtbar — todbringend verbirgt im Reiche der Schatten.

Trunken von dem betäubenden Duft traten wir endlich in den Saal zurück.

Der Russe rief uns ein Wort des Abschieds nach. — In Wahrheit ein Abschied, denn der Tod stand hinter ihm. — Eine Kesselexplosion — am nächsten Morgen — zerriß ihn in Atome. — — — — — — — —

Monate waren um, da war sein Bruder Ivan Mercedes’ Geliebter, ein unzugänglicher, hochmütiger Mensch, der jeden Verkehr mied. — Beide bewohnten die Villa beim Stadttor, — abgeschieden von allen Bekannten, — und lebten nur einer wilden, wahnsinnigen Liebe.

Wer sie so gesehen, wie ich, abends in der Dämmerung durch den Park gehen, aneinandergeschmiegt, sich fast im Flüstertone unterhaltend, weltverloren — keinen Blick für die Umgebung —, der begriff, daß eine übermächtige, unserem Blute fremde Leidenschaft diese beiden Wesen zusammengeschmiedet hielt. — — — — —

Da — plötzlich — kam die Nachricht, daß auch Ivan verunglückt —, bei einer Ballonfahrt, die er scheinbar planlos unternommen, auf rätselhafte Weise aus der Gondel gestürzt sei.