„Seien Sie doch ganz unbesorgt, liebes Fräulein,“ tröstete Saturnilus, „es geschieht ihm nichts.

Und wenn Sie das Abgießen sehen könnten, würde es Sie sehr interessieren und unterhalten. Zuerst, wissen Sie, kommt gefettetes Seidenpapier auf Haare, Wimpern und Augenbrauen. — Öl aufs Gesicht, damit nichts haften bleibt, — und dann drückt man, auf dem Rücken liegend, den Hinterkopf bis an die Ohrränder in eine Schüssel mit nassem Gips. Ist die Masse hart geworden, wird auf das noch freiliegende Gesicht — etwa eine Faust stark — wiederum nasser Gips gegossen, so daß das ganze Haupt wie in einen großen Klumpen eingehüllt erscheint. Nach dem Erhärten werden die Verbindungsstellen aufgemeißelt und so ergibt sich die Hohlform für die prächtigsten Abgüsse und Konterfeis.“

„Da muß man doch unfehlbar ersticken“, jammerte das junge Mädchen.

Saturnilus lachte: „Natürlich, — wenn man nicht zum Atmen Strohhalme in Mund und Nasenlöcher gesteckt bekäme, die aus dem Gips herausragen, — so müßte man ersticken.“

Und um Beatrix zu beruhigen, rief er laut ins Nebenzimmer:

„Meister Iranak-Essak, dauert’s lange und wird es weh tun?“

Einen Augenblick herrschte tiefe Stille, dann hörte man die klanglose Stimme von ferne antworten, — wie aus einem dritten, vierten Zimmer herüber oder wie durch dicke Tücher hindurch:

Mir tut’s gewiß nicht weh! Und Herr Corvinus wird sich wohl kaum beklagen, — — he, he. Und lange dauern?! Manchmal dauert’s bis zu zwei und drei Minuten.“

Etwas so unerklärlich Erregendes, ein so unbeschreiblich boshaftes Frohlocken lag in diesen Worten und der Betonung, mit der sie der Albino sprach, daß es wie ein erstarrendes Schrecken auf die Zuhörer fiel.

Pherekydes krampfte seines Nebenmannes Arm. „Seltsam, wie der redet! Hast du es gehört? — Ich halte es nicht mehr länger aus vor wahnsinnigem Angstgefühl. Woher kennt er denn plötzlich Kassekanaris Logennamen ‚Corvinus‘? Und gleich anfangs wußte er, weshalb wir gekommen sind?!! Nein, nein; — ich muß hinein. Ich muß wissen, was da drinnen vorgeht.“