Augenblicke nüchternen Zweifels wechseln mit unerschütterlicher Zuversicht, – das feste Vertrauen, daß irgend etwas Wahres, wie stets bisher, hinter den Versprechungen seines Führers wartet, gewinnt die Oberhand.
Dann kommen seltsam erregende Momente, wo er durch Stolpern über Steine ruckweise erwacht und erkennt, daß sein Körper in tiefem Schlaf dahinwandert; gleich darauf vergißt er sein Aufschrecken wieder, leere Zeiträume von unendlicher Dauer schieben sich dazwischen, drängen seinen Argwohn aus der Gegenwart ab in scheinbar längst vergangenen Epochen.
Der Weg senkt sich.
Breite, hallende Stufen eilen in die Tiefe.
Dann tastet sich Leonhard kalte glatte Marmorwände entlang; – er ist allein, will sich umsehen nach seinem Begleiter – – da rauben ihm Posaunenstöße dröhnend wie der Ruf zur Auferstehung fast die Besinnung, die Knochen vibrieren in seinem Leib, vor den Augen reißt die Nacht entzwei: der Sturm der Fanfaren wird grelles Licht – er steht in einem weißen Kuppelbau.
Mitten im Raum dicht vor ihm schwebt frei – ein goldner Kopf mit drei Gesichtern; das eine gegenüber, in das er flüchtig blickt, deucht ihm sein eigenes, nur jung, der Ausdruck des Todes ist darin und dennoch strahlt aus dem Schein des Metalls, der die Züge halb verblendet, der Einfluß unzerstörbaren Lebens; es ist nicht die Larve seiner Jugend, die Leonhard sucht, er will die beiden andern Gesichter sehen, die in die Dunkelheit schauen und das Geheimnis ihrer Miene erkennen, aber immer wenden sie sich von ihm ab: der goldene Kopf dreht sich, wenn er ihn zu umschreiten versucht, hält ihm stets dasselbe Antlitz entgegen.
Leonhard späht umher nach dem Zauber, der das Kopfwesen in Bewegung setzt, da sieht er plötzlich die Wand im Hintergrund durchscheinend wie öliges Glas, und jenseits steht, die Arme ausgebreitet, in zerlumptem Gewand, bucklig, einen Schlapphut tief über die Augen, regungslos wie der Tod, auf einem Hügel aus Leichengebein, daraus spärliche grüne Halme sprießen, – – – der Herr der Welt.
Die Posaunen verstummen.
Das Licht erstirbt.
Der goldene Kopf verschwindet.