‘Ja, aber du kennst deinen wirklichen Namen nicht, besitzest ihn also nicht. Das, was du für deinen Namen hältst, ist nur ein leeres Wort, das deine Eltern erfunden haben. Wenn du schläfst, vergißt du ihn, ich vergesse meinen Namen nicht, wenn ich schlafe.’

‘Aber, wenn du tot bist, weißt du ihn auch nicht mehr!’ wendete ich ein.

‘Nein. Aber der Meister kennt ihn und vergißt ihn nicht, und wenn er ihn ruft, so stehe ich wieder auf; aber nur ich und kein anderer, denn nur ich habe meinen Namen. Kein anderer hat ihn. Das, was du deinen Namen nennst, das haben viele andere mit dir gemeinsam – so wie die Hunde’, murmelte er verächtlich vor sich hin. Ich verstand die Worte zwar, ließ es mir aber nicht anmerken.

‘Was verstehst du unter dem ‘Meister’?’ warf ich scheinbar unbefangen hin.

‘Den Samtscheh Mitschebat.’

‘Den, der hier in der Nähe ist?’

‘Ja, aber nur sein Spiegelbild ist in der Nähe; der, der er in Wirklichkeit ist, ist überall. Er kann auch nirgends sein, wenn er will.’

‘Er kann sich demnach unsichtbar machen?’ – wider Willen mußte ich lächeln, – ‘du meinst: einmal ist er innerhalb des Weltenraumes und dann außerhalb; einmal ist er da – und dann ist er wieder nicht da?’

‘Ein Name ist doch auch nur da, wenn man ihn ausspricht, und nicht mehr da, wenn man ihn nicht ausspricht’, hielt mir der Tibeter vor.

‘Und kannst zum Beispiel du auch einmal ein ‘Meister’ werden?’