‘Führe mich zu dem Dugpa, ich werde dich reichlich belohnen’, redete ich ihm eifrig zu.

‘Ich will es mir überlegen’, antwortete er endlich.


Es war noch tiefe Nacht, da weckte er mich in meinem Zelt. Er sei bereit, sagte er.

Er hatte zwei unserer zottigen Mongolenpferde, die nicht viel höher sind als große Hunde, gesattelt, und wir ritten hinein in die Finsternis.

Die Leute meiner Karawane lagen um die verglimmenden Reisigfeuer herum in festem Schlaf. Stunden vergingen und wir wechselten kein Wort; der eigentümliche Moschusgeruch, den die tibetischen Steppen in Julinächten auszuströmen pflegen, und das eintönige Zischen des Ginsters, wie die Beine unserer Pferde hindurchfegten, betäubte mich fast, so daß ich, um wach zu bleiben, unverwandt emporblicken mußte zu den Sternen, die hier in diesem wilden Hochland etwas Loderndes, Flackerndes haben wie brennende Papierfetzen. Ein erregender Einfluß geht von ihnen aus, der das Herz mit Unruhe erfüllt.

Als die Morgendämmerung über die Berggipfel kroch, bemerkte ich, daß die Augen des Tibeters weit offen standen und ohne zu zwinkern immerwährend auf einen Punkt am Himmel starrten. – Ich sah, daß er geistesabwesend war.

Ob er denn den Aufenthalt des Dugpas so genau kenne, daß er nicht auf den Weg zu achten brauche, fragte ich ihn ein paarmal, ohne eine Antwort zu bekommen.

‘Er zieht mich, wie der Magnetstein das Eisen anzieht’, lallte er schließlich mit schwerer Zunge wie aus dem Schlaf.

Nicht einmal mittags machten wir Rast, immer wieder trieb er stumm sein Pferd zu neuer Eile an. Ich mußte im Sattel meine paar Stücke gedörrtes Ziegenfleisch verzehren.