Doch, um auf ein erquicklicheres Thema zu kommen, lieber Doktor, – überdies ist es höchste Zeit, daß Sie abnehmen, wollte sagen: abreisen, – also auf Wiedersehen bei Magister Wirtzigh im August 1914; da ist der Anfang vom großen Ende und wir wollen doch diese Katastrophe der Menschheit würdig begehen. Nicht?«


Schon vor den letzten Worten des Herrn Grafen hatte ich mich in meine Kammerdienerlivree geworfen, um Herrn Doktor Haselmayer beim Einpacken behilflich zu sein und ihn zum Wagenschlag zu begleiten.

Einen Augenblick später stand ich auf dem Korridor.

Doch was mußte ich sehen: der Herr Graf verließ allein das Bibliothekzimmer, auf den Armen das holländische Wams, die Schnallenschuhe und Seidenkniehosen sowie den grünen Zylinderhut des Herrn Doktor Haselmayer – während dieser selbst spurlos verschwunden war, und so schritt der gnädige Herr Graf, ohne mich eines Blickes zu würdigen, in sein Schlafgemach und schloß die Türe hinter sich ab.

Ich hielt es als wohlerzogener Diener für meine Pflicht, mich über nichts zu wundern, was meine Herrschaft zu tun für gut fand, konnte aber doch nicht umhin, den Kopf zu schütteln, und es dauerte längere Zeit, bis ich zuwege brachte, einzuschlafen.


Ich muß jetzt viele Jahre überspringen.

Sie sind eintönig dahingeflossen und stehen in meiner Erinnerung aufgezeichnet so vergilbt und verstaubt wie Bruchstücke aus einem alten Buch mit krausen verschnörkelten Begebenheiten darin, die man einst irgendwann in dumpfem Fieber mit halbem, versiegendem Gedächtnis gelesen und kaum begriffen hat.

Nur das eine weiß ich klar: Im Frühjahr 1914 sagte der Herr Graf plötzlich zu mir: »Ich werde demnächst verreisen. Nach – – Mauritius (dabei sah er mich lauernd an), und ich wünsche, daß du bei meinem Freunde, einem gewissen Magister Peter Wirtzigh in Wernstein am Inn, in Dienste trittst. Hast du mich verstanden, Gustav? Übrigens dulde ich keine Widerrede.«