Ich verbeugte mich stumm.
Eines schönen Morgens, ohne irgendwelche Vorbereitungen getroffen zu haben, hatte der Herr Graf das Schloß verlassen, was ich daraus entnahm, daß ich ihn nicht mehr zu Gesicht bekam und statt seiner ein fremder Mensch in dem Himmelbett lag, das der Herr Graf zum Schlafen zu benützen gepflegt.
Es war, wie man mir später in Wernstein eröffnete, der Herr Magister Peter Wirtzigh. –
Auf des Herrn Magisters Besitztum, von dem man tief hinabsehen konnte auf den schäumenden Inn, angelangt, ließ ich es mir sogleich angelegen sein, den mitgebrachten Kisten und Koffern ihren Inhalt zu entnehmen, um ihn in die Spinde und Truhen zu räumen.
Eben wollte ich eine höchst sonderbare alte Lampe, geformt wie ein durchsichtiger japanischer Götze mit unterschlagenen Beinen (den Kopf bildete eine Kugel aus Milchglas), in deren Innern eine durch Uhrwerk bewegliche Schlange den Docht mit dem Rachen emporhielt, in einen hohen gotischen Schrank stellen und öffnete ihn zu diesem Behufe, da erblickte ich darinnen zu meinem nicht gelinden Entsetzen, aufgehenkt, die baumelnde Leiche des Herrn Doktor Haselmayer.
Fast hätte ich vor Schrecken die Lampe fallen lassen, doch zum Glück erkannte ich noch rechtzeitig, daß es nur die Kleider und der Zylinderhut des Herrn Doktors waren, die mir das Bild seiner Gestalt vorgetäuscht hatten.
Immerhin machte das Erlebnis tiefen Eindruck auf mich und hinterließ ein Gefühl der Vorahnung wie von etwas Drohendem, Unheilvollem, das ich nicht abschütteln konnte, trotzdem die folgenden Monate nichts Aufregendes brachten.
Herr Magister Wirtzigh war wohl gleichmäßig gütig und freundlich zu mir, aber er glich Herrn Doktor Haselmayer in vieler Beziehung zu sehr, als daß mir nicht immer die Begebenheit mit dem Schrank hätte einfallen müssen, so oft ich ihn ansah. Sein Gesicht war kreisrund, gleich dem des Herrn Doktors, nur überaus dunkel, fast wie das eines Mohren, denn er litt seit Jahren an dem unheilbaren Überbleibsel eines langwierigen Gallenleidens: an Schwarzsucht. Wenn man einige Schritte von ihm entfernt stand und es war nicht sehr hell im Zimmer, konnte man oft seine Züge gar nicht unterscheiden, und der schmale, kaum fingerbreite silberweiße Bart, der sich ihm unterm Kinn bis zu den Ohren hinzog, hob sich in solchen Fällen von seinem Antlitz ab wie eine mattschimmernde unheimliche Ausstrahlung.
Der beklemmende Druck, der mich gefangen hielt, wich erst, als im August die Nachricht von dem Ausbruch eines fürchterlichen Weltkrieges überall wie der Blitz einschlug.
Ich erinnerte mich sofort, was ich vor Jahren Herrn Grafen du Chazal über eine Katastrophe, die der Menschheit bevorstünde, hatte sagen hören, und es wollte mir vielleicht deshalb nicht gelingen, mit voller Überzeugung in die Verwünschungen einzustimmen, die die Dorfbevölkerung gegen die feindlichen Staaten ausstieß; schien es mir doch, als stünde hinter all dem als Urheber der dunkle Einfluß gewisser haßerfüllter Naturkräfte, die sich der Menschheit bedienen wie einer Marionette.