Völlig unbewegt verhielt sich Herr Magister Wirtzigh. So, wie jemand, der längst alles vorausgesehen hat.
Erst am 4. September kam eine leichte Unruhe über ihn. Er öffnete eine Türe, die mir bis dahin verschlossen gewesen, und führte mich in einen blauen, gewölbten Saal, der nur ein einziges, rundes Fenster in der Decke hatte. Genau darunter, so daß das Licht unmittelbar darauf fiel, stand ein runder Tisch aus schwarzem Quarz mit einer muldenförmigen Vertiefung in der Mitte. Ringsherum goldene, geschnitzte Stühle.
»Hier diese Mulde,« sagte der Herr Magister, »füllst du heute abend, noch ehe der Mond aufgeht, mit klarem, kaltem Brunnenwasser. Ich erwarte Besuch aus Mauritius, und wenn du mich rufen hörst, nimmst du die japanische Schlangenlampe, zündest sie an – der Docht wird hoffentlich nur glimmen,« setzte er halb für sich hinzu, – »und stellst dich mit ihr so, wie man eine Fackel hält, dort in die Nische.« – – – –
Es war längst Nacht geworden, schlug 11 Uhr, 12 Uhr, und ich wartete und wartete noch immer.
Niemand konnte das Haus betreten haben – ich weiß es gewiß, hätte es bemerken müssen, denn das Tor war verschlossen und kreischte stets laut, wenn man es öffnete, aber kein Laut war vernehmbar bis jetzt.
Eine Totenstille ringsum, daß sich mir das Brausen des Blutes im Ohr allmählich zur tosenden Brandung steigerte.
Endlich hörte ich die Stimme des Herrn Magisters meinen Namen rufen – wie aus weiter Ferne. So, als käme sie mir aus dem eigenen Herzen.
Mit der glimmenden Lampe in der Hand, fast betäubt von einer unerklärlichen Schlaftrunkenheit, die ich noch nie an mir wahrgenommen, tappte ich mich durch die finsteren Räume in den Saal und stellte mich in die Nische.
In der Lampe surrte leise das Uhrwerk, und ich sah durch den rötlichen Bauch des Götzen den glühenden Docht im Maul der Schlange funkeln, wie sie langsam kreiste und kaum merklich in Ringen in die Höhe zu kriechen schien.
Der Vollmond mußte wohl senkrecht über dem Loch in der Saaldecke stehen, denn in der Wassermulde des steinernen Tisches schwamm sein Spiegelbild als regungslose Scheibe aus fahlgrünglühendem Silber.