Was schrieben nun jene einfachen Menschen auf die Dachziegel? – Das, wovon ihr Herz gerade voll war!

Da standen z. B. ein paar Gesellen im Ziegelschuppen, hatten Frühstückspause, neckten sich, und sprachen von ihren Mädchen oder Frauen: der brummige Alte dort hatte wohl öfter über sein Hauskreuz geklagt. Ihm schreibt der Schriftkundige das steinerne Stammbuchblatt, das er selbst dann rasch in den Brennofen schafft:

Ein altes Weib, ein Tudelsack,

das sumpt und brummt den gantzen Tag.

1822.

Wenn nur nicht seine Alte etwas davon erfährt! Jener Schwarze dort mit den funkelnden Augen hat viel Glück bei den Mädchen. Sie laufen ihm nach, er küßt sie und lacht und sagt zu seinen Gesellen:

»Alle Mätchen auf der Erden

wollen gern geweibet werden.«

Er denkt natürlich von ihm selbst geweibet und meint wohl: »Da habe ich noch lange Zeit und große Auswahl für die »Heurath«, sonst gehts mir wie unserem Alten dort mit seinem Stammbuchblatt.« Flugs schreibt man dem Schwarzen sein Verschen von den »Mätchen« auf den Dachziegel und setzt den Tag, »den 9. Juni 1822« darunter.

Ob er sein Glück gefunden hat?