Wem klingen dabei nicht Schillers wundervolle Verse durch Herz und Ohr, in denen er die Feuersbrunst schildert und die Glocke als ihre Künderin: »Hört ihrs wimmern hoch vom Turm? Das ist Sturm!« Wer denkt nicht an den Spruch dieser unsterblichsten, ja ewigen Glocke: »Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango«? »Die Lebendigen rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich«?

Dieser weltbekannte Glockenspruch Schillers findet sich fast wörtlich auf einer Glocke in Reinhardtsgrimma aus dem 15. Jahrhundert: »vivos voco, fulgura frango, defunctos plango«. Ob der Dichter diesen Spruch gekannt und von dieser Glocke die Worte entnommen hat, welche er seinem unsterblichen Gedichte vorangestellt? –

Daß die Metallmassen der Glocken einen Einfluß auf elektrische Spannungen, d. h. die Blitzgefahr, haben und ihr Unheil abzuwenden vermögen, ist eine Beobachtung und Erkenntnis, welche man im 15. Jahrhundert nicht vermutet. Erst in Schillers Tagen ist ja durch Benjamin Franklin durch die Erfindung des Blitzableiters diese Wirkung des Metalls technisch ausgenutzt worden, und unsere Zeit erst faßt wieder alle Metallmassen an Dach und Haus zum gesammelten, geschlossenen Blitzschutz zusammen, ein Gedanke, der im Kerne schon im Glockenspruche von Reinhardtsgrimma aus dem 15. Jahrhundert liegt.

Doch kehren wir nun zur Gießhütte der Hilliger in Freiberg zurück. Nicht bloß zahlreiche vielgerühmte Glocken mit trefflichem Klang und Spruch und von schöner Form gingen daraus hervor, sondern auch die köstlichen messingenen und bronzenen Grabplatten in der kurfürstlichen Grabkapelle am Dome zu Freiberg, diesem herrlichen Mausoleum sächsischer Kunst und Geschichte, und so manche Platte hie und da im weiten deutschen Reich, die Stolz und Zierde ihrer Stätte ist. Aus ihrer Hütte stammen auch zahlreiche figurengeschmückte, künstlerisch durchgebildete Kanonen in reichen Renaissanceformen. Auch bei diesen Geschützrohren zeigt sich die Lust am Sinnbild und Sinnspruch, am derben Witz und kräftigen, treffenden Reimspiel. Wie während des Krieges die 42 cm-Mörser den Namen »Dicke Bertha« führten, so trug in jenen Zeiten jedes Geschütz seinen Namen, der durch den künstlerischen Schmuck und Denkspruch erklärt wird.

Aus der großen Reihe dieser Werke des Freiberger Gießergeschlechtes seien nur einige ihrer Sprüche wegen hervorgehoben. Diese Sprüche sind ausnahmslos deutsch und manchmal in recht grober, ungefüger Sprache verfaßt, wie sie vielleicht zum rauhen Handwerk und den groben Stücken am besten stimmte.

Der »Rautenkranz« vom Jahre 1557 war verziert mit Wappen und einem Rautengewinde, das sich spiralförmig um das Rohr legte. Sein Sinnspruch lautete:

»Ich bin genant der Rawtenkrantz,

mein Feind ich bin ein bitter Tranc.«

Der »Wilde Mann« trug als Schmuck zwei kniende, sich packende wilde Männer mit den sich kreuzenden Kurschwertern und den Spruch:

»Halt fest, wilder Man