Die Farbe in der Baukunst und plastischen Kunst unserem Volke wiederzugewinnen und damit wieder zu den Quellen und Urgründen deutscher, starker, stolzer, nackensteifer Eigenart und Kunstauffassung zurückzukehren nach jahrhundertelanger undeutsch und falsch empfindender Fremdtümelei »mit dem Hute in der Hand«, wäre auch eine Arbeit an unserem Volk und unserer Heimat auf dem steinigen Wege zur Selbstbesinnung, Selbstbehauptung, zur Höhe. –
Im nördlichen Teile des Querschiffes, das durch ein köstliches Gitter reicher, alter Freiberger Schmiedearbeit abgetrennt ist, steht auf einer Konsole die schwarze Rüstung des Kurfürsten Moritz, welche er in der Schlacht bei Sievershausen 1553 getragen hat. Seinen Sieg in jener Schlacht hat er mit dem Tode bezahlt. Die breite Öffnung links unten am Brustharnisch zeigt den Weg, den die tückische Bleikugel gesucht hatte. Schwarze Straußenfedern nicken vom Helm herab und die gepanzerte Rechte hält den Rennspieß des Kurfürsten. Sein Schwert und der Dolch mit dreischneidiger Klinge sind vortreffliche Arbeiten mit zum Teil kunstvoll in Eisen geschnittenen Gefäßen mit silbernen Auflagen.
Acht Reiter- und vierzehn Fußfahnen, die in der Schlacht bei Sievershausen erbeutet sind, an denen kaum ein Rest von altem Fahnentuch mehr ist, sind als eindrucksvolle Ruhmeszeichen und Zeugen jener Schlacht an den Seitenwänden angebracht.
Diese schlichte, schwarze Rüstung und diese erbeuteten Fahnen sind nicht laut und ruhmredig wie dort die Marmorburg, auf der der Kurfürst kniet, aber sie reden eindringlicher und wirken tiefer, denn sie erzählen als echte, treue Zeugen von großen Dingen, von Sieg und Tod, von Mannesmut und Opfer. Sie sind Leben und Geschichte, während jenes Denkmal von Kleinlichkeit erzählt, klein ist, weil es prahlt, arm an innerem Gehalt, trotzdem es viel redet und rühmt, fremd uns bleibt, weil unser Herz nicht dabei warm wird, wenn wir auch seine Kunst bewundern.
Zu Füßen dieser Rüstung stehen die Zinnsärge der Fürsten und Fürstinnen der evangelischen Wettiner, die älteren Särge in einfacher Truhenform, mit ebenem, glatten Deckel, die jüngeren mit hochgewölbtem Deckel, reich profiliert und zum Teil vergoldet. Auf den Särgen der Frauen ein Kruzifix, auf den Särgen der Männer ein Schwert. Wir blicken über diese Reihe von Särgen dahin und lesen die Täfelchen mit ihren Namen. Welche Fülle einst von Glanz und Macht, von Stolz und Kraft im Leben, über Tausende gebietend und heute nur noch ein Name, ein Nichts, im Dunkel der Vergangenheit versunken. Wie wenig sagen uns ihre Namen und hohen Titel, wenn nicht ihre Taten für Volk und Land für sie zeugen. Nur das, was sie zum Segen ihres Landes geschaffen, geleistet und gewollt, hielt ihren Namen lebendig. Durch Opfer haben sie sich das Leben gewonnen.
Diese Särge standen bis vor kurzem in der unterirdischen Gruft, wo ihr Zerfall durch die Zinnpest und andere Zerstörungen im feuchten, dunklen Raum immer stärkere Fortschritte machte. So wurden sie denn hier zu würdiger, vor Zerstörung, Feuchtigkeit und Moder gesicherter Aufstellung gebracht. Sarg auf Sarg wurde die enge, steile Grufttreppe mühevoll mit Flaschenzügen heraufgezogen und, wenn die Mittagsglocke oder Feierabend schlug, blieb auch wohl ruhig der Sarg in den Seilen hängen, bis wieder die Arbeit begann: Einst ein mächtiger Fürst, jetzt nur ein schweres Laststück, von dem rasch und gleichgültig die Hand des Arbeiters sinkt, wenn die Mittagsglocke schlägt oder gar mehrtägige Arbeitsunterbrechung ihn fortruft. Für die Vergänglichkeit irdischer Größe, äußeren Glanzes und Ruhmes ist dieses Hängen des verlassenen Fürstensarges im Flaschenzug ein bitteres, mahnendes Zeichen und Gleichnis:
Erde gleißt auf Erden
In Gold und in Pracht;
Erde wird Erde
Bevor es gedacht;