Haldenwanderung.

Ja freilich ist es über die Maßen herrlich, unterzutauchen in die Tiefen des grünen Meeres der Wälder, wo die Wipfel wie Wogen rauschen und wallen, und dort in kraftspendender Einsamkeit aus der Unruhe und den Irrungen und Wirrungen zurechtzufinden.

»Da mag vergehn, verwehen

Das trübe Erdenleid,

Da sollst du auferstehen

In junger Herrlichkeit!«

Einsamkeitsgänge sind oft Genesungsgänge, Gänge der Erhebung, des Aufrichtens und Abschüttelns von allerlei Last und Leid. Meister Eckhart (1260–1327) sagt: »Ein auferhobenes Gemüt sollst du haben, nicht ein niederhangendes, ein brennendes Gemüt – in dem doch eine ungetrübte schweigende Stille herrscht.« Stunden der Stille sind Stunden der Kraft, wenn du der Stille die Tiefen deiner Seele öffnest, damit sie stille wird.

»Da draußen, stets betrogen, saust die geschäft’ge Welt!«

Doch da drinnen kann auch das Herz betrogen werden und leer bleiben trotz der Stille, wenn es nicht den Stimmen der Stille recht lauscht und aufnimmt, was sie sagen und geben wollen.

Wer diesen Stimmen recht zu lauschen vermag, der findet Reichtümer und Schätze, wo den andern alles arm und öde ist, dem blüht Leben und Freude, wo dem andern alles tot und leer ist, der gewinnt Kraft und neuen Schwung, wo der andere müde und stumpf wird. »Auf leisen Sohlen wandeln die Schönheit, das wahre Glück und das echte Heldentum«, sagt Wilhelm Raabe.