und deinem Freiberg wieder

die alten Tage bringen!«

Sinnend stehen wir und schauen auf die große Bronzetafel, welche den Namen und das Wappen des letzten großen Berghauptmanns alter, versunkener Bergherrlichkeit trägt, schauen auf die in Stein gehauene Grabschrift: »Hier ruht der Knappen treuster Freund« neben der rechts und links ein Bergmann und Hüttenmann das Berg- und Hüttenwappen hält. 75 Jahre nachdem Herder hier seine letzte Schicht verfuhr, verfuhr der Freiberger Bergbau selbst seine letzte Schicht, das Grubenglöcklein schwieg rings auf den Bergen, und wie eine Sage klingt nur noch das Wort von der Berge und der Knappen Ruhm. Über uns rauschen die Wipfel der hohen Bäume, rauschen und flüstern von alter Zeit. In Barbarossas Tagen, als Ströme teuren deutschen Blutes im heiligen Lande und im falschen schönen Welschland so nutzlos für die Heimat vergossen wurden, blühte der junge Bergbau auf als eine der schönsten Blüten deutscher Kultur und Tatkraft von größerem Werte für Volk und Heimat, als alle Kreuzzüge und Römerzüge, und nun, nach siebenhundertjährigem Glück und Glanz, wo der Bergbau zur Rüste gegangen, soll der stille Schläfer dort in der Halde der Barbarossa sein, welcher die alte Herrlichkeit wiederbringt! – O ihr Träume, ihr Gedanken und geheimnisvollen Triebe, ihr silbernen starken Flügel der deutschen Seele! Ihr habt unser Volk über vieles hinweggetragen, was andere vielleicht zerbrochen hätte. Ihr habt unser Volk in Begeisterung stark gemacht und schwach und elend in manchem leeren Wahn. Ihr habt unserem Volke, unsrer Heimat manches Schicksal bereitet, dem andre vielleicht entgangen wären. Ihr habt hier, wo die Halden jetzt ragen, in dunklen Schächten Schätze geschürft und das Land reich gemacht an Kunst und Kultur und edlen Gütern aller Art, ihr habt aus der eigenen Seele Schätze gespendet an alle Welt und Haß und Dornen sind eure Ernte. Auch Träume können Tat und Schicksal werden. Träume blühen in der Stille. Die Stille ist ein Spiegel, in dem Welt, Zeit und Ewigkeit sich dir spiegeln, wenn du nur zu schauen verstehst.

In der Stille wachsen große Gedanken, aus der Stille reifen wahrhafte Taten, aus der Stille steigt die Stärke der Seelen.

Wir wollen der Stille lauschen und in ihren klaren Spiegel schauen. Die stillen Halden um Freiberg mögen dir da vieles sagen und geben, da mag großes Gotteswerk und großes Menschenwerk, Ewigkeit und Vergänglichkeit zur fruchtbaren Stille führen.

Hünenmäler der Arbeit vergangener Tage, tot und doch lebendig, stumm und doch mit gewaltiger Sprache künden sie weit über das Land, daß Arbeit Schicksal, daß Träume Schicksal sind, daß aus Arbeit und Träumen die deutsche Seele sich ihre Zukunft formt, wenn sie nur erst starke, silberne Flügel zur Höhe emporhebt.

Vergiß nicht, Seele, daß du Flügel hast!

Das Tännichttal im Tharandter Wald.

Lange hatte mein treues Rad gerastet! Was bindet oft die Pflicht so fest und umschnürt die Seele und das Wollen mit bitteren Fesseln und nimmt sie in enge Haft, daß sie sich kaum mehr hervorwagen, Fesseln abzuschütteln, frei zu sein, vogelfrei in ziellosem Fluge der Sehnsucht hinaus! – Heute lacht so frisch der Sonnenstrahl des taufrischen Sommermorgens und lockt hinaus und es treibt und drängt ein inneres Müssen, daß ich nicht widerstehen kann. Hinaus aus den alten Mauern und drückender Enge, hineinfliegen auf flüchtigem Rade in die blaue Sonnenwelt, als wäre ich ein Vogel mit jungen Schwingen, der sein Lied jubelnd zur strahlenden Höhe trägt.

Die wuchtige Stadtmauer Alt-Freibergs mit ihren Türmen und der Graben mit seinen grünen Bäumen, das alte, mächtige Bollwerk des Donatsturmes gleiten an mir vorüber. Leb wohl, du alter, fester Kumpan, mit deinem spitzen Kegeldach, heute treibts in die Ferne mich mächtig hinaus. Und ihr Dohlen dort oben in euren schwarzblauen Röcken so vornehm angetan, die ihr dort flattert und schwebt und mit hellem Rufe freudig im Schwarme in den blauen Äther euch schwingt, heute neide ich euch nicht, heute bin ich mein eigen, heute bin ich mein selbst, ein freier, wilder Vogel! Meine Seele ist ein Vogel, der über allen Tiefen schwebt, dessen Flügel in alle Weiten strebt, der tief das Glück und die Sehnsucht eines freien Sonnentages spürt. –