Dann zog er sie an sich und bat sie, sich rittlings auf seine Brust zu setzen. Darauf faßte er ihre Hände und suchte ihre Augen und, versenkte sich in ihrer strahlenden Bläue wie in ein immer grundloseres Meer.
Hast du gesehen, wie draußen der Mond in der sternleeren Nacht hing, wie eine einsam leuchtende Ampel, wie ein vergessenes Licht? So hänge auch ich in meiner Welt, ratlos und einsam in ihrer unbeschreiblichen Sinnlosigkeit und ihrer ewigen Brutalität. — Ich habe dieser Welt nicht fluchen können, ich bin viel zu klug zum Fluch; denn ich weiß, mein Fluch wäre bedingt und bejahte irgendein Gespenst, ein fernes irrlichterndes Ideal. — Ich baue mir auch nicht auf diesem Fundament und trotz diesem Fundament von Sinnlosigkeit und Brutalität ein hohes helles Haus; ich bin viel zu schwach zu diesem „Trotz“ und mein Wille zergeht in dem Licht meiner Augen. — Ich gehe abseits und vergesse die Welt im Rausch, in dem rigorosen Wegsehen von Allem und dem inbrünstigen Untertauchen in deiner roten Liebe und deinem seidenen Leib.
Du schöne gischtende Welle, die der Sturm da draußen ins Leben rief und brausend weiter treibt und sie nicht ruhen heißt, bis sie den Felsen, den sie umschäumt und umstrudelt und umkost Tag und Nacht, in ihre weichen Arme sinken sieht. —
Ist es nicht wie in einer Kirche, in deren dämmernden Bögen und Nischen sich Weihrauchwolken und Orgeltöne verfangen? — Willst du nicht trinken? Sieh, der Wein ist so rot, rot wie die Knäufe deiner stolzen Brüste.
O Madelon, in deiner Liebe liegt für mich die Möglichkeit, die Welt anzuschauen als ein Gemälde, an dessen Buntheit und Farbenreichtum ich mich erfreue, ohne nach dem Zweck, dem Schöpfer und der Zusammensetzung der Farben zu fragen. Du süße Aster, du roter Wein und seidener Leib, o du gischtende Welle, du letztes verlorenes Glück und veilchenblaues Lächeln im Winkel, du — mein — Gott!
Da rieselte es über ihren Leib und sie sank über ihn so, daß sein Kopf zwischen ihren Brüsten zu liegen kam. — —
Als der Einjährig-Freiwillige Wiekannmannur am nächsten Tage vom Feldwebel aus dem Bett geholt wurde und erfuhr, daß er mit zehntägigem Arrest und Verlust der Schnüre bestraft werden würde, nahm ihn einer seiner Kameraden beiseite: Ich verstehe Sie nicht — ein Mädchen, das Sie notorisch betrügt! Ich habe noch heute morgen gesehen, wie sie von Ihnen drei Häuser weiter zu einem andern auf die Bude stieg. Und da Sie auch des Nachts erst um zwölf zu Ihnen kommt, nicht wahr? und Sie nicht wissen können, — —
Da ging der Einjährig-Freiwillige Wiekannmannur auf seine Wohnung, entkleidete sich gemächlich und legte sich in die Kissen, die noch die Wärme ihres Körpers trugen.
Dort wartete er, bis die Patrouille kam, die ihn abholen wollte, und in dem Augenblick, da sie die Tür aufrissen, schoß er sich die Kugel in den Mund. — — —
Wirst du nun zugeben, daß du mit ihm verkehrt hast? Wirst du?