Und da sie schwieg und sich nur wimmernd vor ihm krümmte, fuhr wiederum die Peitsche klatschend über ihren Rücken.
Es ist ein Skandal! Sich wegen so einer Dirne zu erschießen! Gib es wenigstens zu! Hörst du?
Und da sie immer noch schwieg und sich nur wimmernd vor ihm krümmte, fuhr wiederum die Hundepeitsche klatschend ein-, zwei-, dreimal über ihren entblößten Rücken. Dann ließ er ihre Hand los, daß die vor ihm Kniende zusammenbrach und mit der Stirn auf die Stuhlkante schlug; und so blieb sie liegen.
Er aber lief schnaufend in dem Zimmer umher, in dem eine saure Bier- und Tabaksatmosphäre brütete, fuchtelte mit der Peitsche und warf sie schließlich mit einem „Du Aas!“ auf den striemenbedeckten Rücken der blonden Madelon. Dann trat er an das Fenster, öffnete es und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Da flog zitternd die Nachtluft herein und streichelte Madelons zerwühltes Haar und hielt vor ihre schluchzenden Augen das Bild von dem dunklen Rubin und seinem purpurnen Herzen. —
Als aber dieser Musensohn ihren Hauch auf seiner zerhauenen Stirn fühlte, riß er einen Mensursäbel von der Wand und warf sich in Fechterpositur und begann mit dröhnenden Quarten das Ofenrohr zu bearbeiten.
Da verlor Madelon den roten Rubin und vergaß zu weinen und fing an, leise in sich zu lächeln, und als der Unermüdliche den Säbel polternd in die Ecke warf, einen Kasten Flaschenbier an das Sofa zog und zu trinken begann, ließ sie ihre Augen leuchten und wartete nur auf das „Na, Kind, wir wollen uns wieder vertragen“. Und wie es endlich kam, rutschte sie auf den Knien zu ihm und umfaßte mit ihren Armen seinen trunkenen Leib.
Dann zog sie ihm Stiefel und Strümpfe aus und drückte ihre Lippen auf seinen Fuß —
Am nächsten Morgen um neun lag die Sonnenglut auf der Straße wie ein böses weißes Tier, das mit seinen gläsernen Tatzen und seinem stickenden Atem jeden ansprang, der aus der nächtigen Kühle der Wohnungen trat; dann preßte es ihm die Lungen zurück, griff beißend und brennend in seine Augen und hängte sich ihm schwer wie Blei an die Füße. Und je höher die Sonne stieg, desto größer wurde das Tier und desto weißer seine gläserne Haut; desto höher kletterte es an den Häusermauern hoch und stieg durch die Fenster und wälzte sich in die Zimmer, faul und schwer und schwül. Am wohlsten aber fühlte es sich und blähte sich vor Vergnügen in dem Zimmer, in dem neben dem zerbeulten Ofenrohr und den geleerten Bierflaschen der schartige Säbel an der Erde lag. Da sog es in tiefen Zügen den Schweiß- und Bierdunst ein, erwärmte ihn glühend in seiner Brust und hauchte ihn mit einem teuflischen Grinsen über die beiden Schlafenden wieder aus.
Davon erwachte Madelon. Und da sie den hellen Tag und das weiße Sonnentier sah, wandte sie sich um und weckte ihren Geliebten und ließ über sein rotgedunsenes Gesicht, seinen halbgeöffneten Mund, aus dem der sauersüße Alkoholschwaden stieg, und seine verschleimten Augen die ihren in ihrer blauesten Zärtlichkeit streifen. Dann preßte sie sich an seinen warmfeuchten Leib und fühlte, wie plötzlich ein klebriger Schweiß aus allen seinen Poren quoll —