Julius küßte von dem Zauber dieser Töne, und von dem Geiste dieses Raths ergriffen, Augustens Hand, als die zurück gekommene Julie hereinrauschte, betroffen stehen blieb und die Gruppe mit blitzenden Augen maß. Das Fräulein stellte ihr in dem Gaste Woldemars Freund vor. Sie erwiederte seinen Gruß mit dem anmuthigsten Lächeln, zitterte bereits im Herzen vor den Zwecken dieses augenscheinlichen Störenfrieds und griff zu den magischen Waffen ihres Zaubers. Aber Julius sah durch den täuschenden Schleyer der Grazie in ein harmvolles Herz, in diesen unstäten Blicken, in dieser leisen, jeden Scherz verkümmernden Angst den regen Argwohn ihrer Schuld — und als er sie jetzt über dem Fräulein vergessen zu wollen schien, da ward die Charis plötzlich zur Ate, der Groll der Mißgunst trat auf ihre Stirn, Auguste aber zog sich mit sanften Erröthen hinter den Heiligen-Schein der Sittlichkeit zurück. Frau von Wessen faßte sich schnell; überschüttete die verstummte Schwätzerin mit Schmeicheleyen, lenkte nun, von dem Spiele seines Humors erheitert, das Gespräch auf den Hauptmann, dessen bis jetzt nur beyläufig gedacht worden war und erschöpfte sich in seinem Lobe. Julius begleitete es mit den Gebehrden des Beyfalls, erbat sich, als Auguste verschwunden war die Erlaubniß eine so theilnehmende Gönnerin seines Vertrauten von dem seltsamen Mißgeschick ihres gemeinsamen Freundes unterhalten zu dürfen und wiederhohlte Wort für Wort die Geschichte. Julie sah ihm erst in’s Auge, dann zum Himmel, von diesem zu Boden. Sie spielte bald mit dem Ridikül, bald mit den Gliedern ihrer Kette, erröthete, verblaßte, und stand eben im Begriff den Erzähler für ihre Ansprüche zu gewinnen, als die Baronin mit einem Brief in’s Zimmer trat. Sie übersah den Fremden in ihrer Bestürzung. Lies! „sprach sie kaum vernehmbar“ die Armee ist geworfen — der Feind im Anzug. Julie verschlang mit feurigen Augen den Inhalt der Nachricht. Er wird vermißt! „rief sie die Hände ringend“ Woldemar ist gefangen oder gefallen!
Der Himmel selbst „erwiederte Julius“ scheint dies Herz an die Entbehrung seines Lieblings gewöhnen zu wollen.
Sie wissen also „entgegnete Frau von Wessen“ daß Woldemar der Meine ist? Aber wissen Sie wohl auch, daß weder ein Mährchen, noch sein Erfinder, weder die Schlauheit einer Neben-Buhlerin, noch die Beredtsamkeit ihres Wortführers, mir ihn entreißen wird?
Ich weiß nur „fiel er ein“ daß der Feind gegen den er dies Schloß vertheidigte, bey weitem nicht sein schlimmster war und daß sein Weg zu Ihnen nur über mich geht. Aber wir streiten vielleicht über die Pflichten eines Todten, und thäten doch, falls diese Nachrichten gegründet sind viel besser, zu packen und zu fliehen.
Julie kehrte ihm tief empört den Rücken und folgte der Baronin, welche taub für den Wortwechsel mit dem Himmel verkehrt hatte.
Julius traf im Fortgehn auf das Fräulein. Werden wir uns widersehn? „sprach er“ und wie, und wenn? Längstens dort! „entgegnete sie“ und so Gott will, an einem schönern Tage.
Er drückte gerührt ihre Hand an die Lippen. Sie müssen fliehen „sprach er“ wer begleitet, wer beschützt Sie denn?
Himmel und Erde „entgegnete sie“ der Mutter Gebet und unser Jäger.
Die Baronin kam in diesem Augenblick herzu. Sie hatte von Julien vernommen wer er sey, sah in dem unerwarteten Gaste einen ihr in der Stunde der Noth gesandten, erbeteten Beystand und bot ihm nach den ersten Begrüssungen den Platz in ihrem Wagen an. Augustens Augen unterstützten mit sanften, beredtsamen Blicken das Erbieten, der Freyherr sagte zu.