Goldne Berge „erzählte Julius“ werden jetzt Theresen gegen eine billige Vergeltung zugesichert, der Beweis ihrer Abkunft so überzeugend geführt, der Umfang ihrer Ansprüche so klar in’s Licht gestellt, daß sie nicht länger zögern mag, diese Kette schmerzlicher Entbehrungen mit dem verhießenen Ueberfluß zu vertauschen. Sie eilt, von den trefflichsten Zeugnissen ihres Wohlverhaltens unterstützt nach der Vaterstadt, erschreckt den Oheim durch die sprechende Aehnlichkeit mit Herminen, die von der plötzlichen Erscheinung überrascht, von diesen Zeugnissen gewonnen, von dem Anblick ihres Ebenbildes erschüttert an des Mädchens Hals fliegt, und die gefundene Schwester feurig willkommen heißt. Therese vernimmt mit Erstaunen, was bereits von hieraus für sie geschah, sieht sich statt der Verläugnung auf die sie gefaßt war, mit den zärtlichsten rein vom Herzen kommenden Liebkosungen überhäuft, und beschließt, in Schaam und Rührung aufgelöst, Gleiches mit Gleichem, die Großmuth durch Mäßigung zu vergelten. Ein seltsamer Wettstreit entspinnt sich nun. Hermine dringt auf eine Theilung der Erbschaft, Therese will sich dagegen nur vor dem Hunger geschützt, nur als eine Hülfsbedürftige geduldet sehen, am wenigsten im Kreise der Familie unter ihrer wahren Gestalt auftreten. Jene trägt ihre besten Kleider zur Auswahl für Theresen herbey, diese wählte sich einen häuslichen, schon getragenen Anzug. — Und so blieb denn das Mädchen meine Haus-Genossin, so verkannte Woldemar, der in diesem Momente weder die unzartere Haut noch das dunklere Haar in Betracht zog, seine schuldlose Braut —

Die ihn „fiel Auguste ein“ mit dem Daseyn einer solchen Schwester, schon um dieser gefährlichen Aehnlichkeit willen hätte bekannt machen sollen —

Ohnfehlbar „entgegnete Julius und das Fräulein erröthete“ schloß ihr nur die zarte Verschämtheit, oder die Achtung für den Ruf und die Asche ihrer Mutter den Mund. Ich bin am Ziele „setzte er mit einer leichten Verbeugung hinzu“ und Tag und Nacht gereist das unseligste aller Mißverständnisse auszugleichen, oder, wenn mir das nicht gelingen sollte, der Gekränkten eine Genugthuung zu verschaffen, die das Gesetz der Ehre vorschreibt.

Auguste seufzte tief und sprach „Am Ende war vielleicht die übereilte Entfernung Ihres Freundes eine unerkannte Wohlthat des Himmels der das edelste Mädchen auf diesem Wege von dem bestandlosen Manne befreyt hat.“

Meynen Sie? fragte er, und sah ihr tief in das blaue Augen-Paar.

Denn Ihrem Woldemar „fuhr sie fort“ weint bereits eine neuere Braut nach.

Man sagte mir das: ich glaubte es nicht. Jetzt — O jetzt muß ich’s fürchten!

Sie sind sein Freund. An Ihnen ist es, ihm den vorgefaßten Argwohn zu benehmen, ihn an ein Herz, das er zerrieß zurück zu führen.

O, nun es so weit ist, sind wir geschieden — der Rächer tritt nun an des Warners Platz.

Nein, edler Mann „sprach sie mit flehendem Silberton“ der Warner muß zum Engel und nicht müde werden bis ihm die gute That gelingt.