Zweytes Kapitel.

Herr Wahl, der Oheim, und Vormund dieser Schicksals-Göttin saß indeß daheim vor dem Hauptbuch, freute sich der eben gezogenen Bilanz, hieß den Seidenhändler Merker viel freundlicher als sonst willkommen und sprach sofort vom Curs, von Geschäften, vom plötzlichen Fall eines bedeutenden Hauses. Herr Merker schnippte den Staub von seinem Ermel, zog den Stockknopf vom Munde, räusperte sich und rief: „Was fällt das fällt! Wir, denk’ ich, bleiben stehen.“

So Gott will! brummte der Alte und faltete in stiller Andacht seine Hände.

Ich stehe gut.

Ist mir bekannt.

Doch immer noch auf Freyers Füßen. Geduldig zwar, doch auch zuweilen mit Ungeduld. Wenn Ihre Jungfer Nichte sich endlich nun entschliessen wollte — oder bereits entschlossen hätte — Wie?

Dann „fiel der Oheim ein“ wäre uns beyden geholfen, denn das Mädchen ist meine einzige Sorge. Ich sollte mich ärgern, aber das hilft nichts —

Ein Machtwort sprechen, Herr Kollege, ein Machtwort —

Da sey Gott für! Der gab ihr ja, wie uns, den freyen Willen.

So? — Ja! und vier Liebhaber zu meiner Plage.