Die Männer „fiel Therese ein“ sind wilde Bäume, und höchstens nur zum Rauschen gut, bis sich die Dryas naht und sie begeistert.

Potz tausend! „rief Auguste“ das ging hoch.

Aber vom Herzen! Ist auch das Bild gesucht so paßt es doch und der Himmel verzeihe jeder die ihnen zu viel thut. Ich glaube, das hält schwer. Die Undankbaren! Mit einem hoffärtigen „Ich danke dir Gott!“ sehn sie auf unsere Kinderstuben nieder und in dem sanften, wachenden, erhaltenden Schutzengel des Hauses nur die gebrechliche Dienerin ihrer Begierde. Des Heldentods der schmerzenreichen Mütter wird kaum gedacht; weder der Ruhm noch ein Ehrensold vergilt unsere Entbehrungen und unsere Opfer — Geräuschlos bringen wir die größten dar; ruhmredig prahlen Sie mit den kleinsten. Fast immer folgt ihnen die Vergeltung auf dem Fuß, wir werden fort und fort an eine andere Welt verwiesen.

„Dein Eifer, Mädchen, hat das Kind erweckt“ schalt Auguste und legt’ es an der Mutter Brust. Hermine versank in dem Anschaun des Lieblichen und vergab sich jetzt die schwache Stunde. Wie hold du bist „sprach sie den Schmerz vergessend.“ Wie diese Augen glänzen — die Lippe lächelt schon! Als hätt’ ihn mir die gute Fee gebracht.

Die Freundinnen stimmten bey; der Kleine ward, wie einst Latonens Sohn von den Göttinnen, bewundert, geliebkost und gewiegt. Ich wollte „sagte jetzt Therese, um die erschöpfte Schwester einzuschläfern“ daß es noch Feen gäbe, das Leben wäre dann um eins so schön. Meine Gräfin hatte ein altes Buch voll solcher Mährchen, es war bey weitem besser als manch Dutzend unserer Zauber-Romane — Die Fingerzeige der weisen und mächtigen Balsamine haben mich oft mit dem Schicksal versöhnt und mein Herz von der Sucht der Wünsche, von dem Verlangen nach den scheinbaren Gütern des Lebens geheilt. So spricht sie unter anderm einst, nach der Feen Weise, als altes Mütterchen, Fräulein Amanden um ein Almosen an. Amanda, welche eben in Thränen schwimmt, begabt sie reichlich und wird nun in aller Demuth gefragt, warum sie denn die Rosen und Lilien ihres lieblichen Angesichts mit dieser Perlen-Fluth bethaue? Die Herzlichkeit der Alten erweckt Vertrauen. Eines Liebhabers wegen! sagte Amanda. Ist er denn unbeständig? Treu wie Gold! Eifersüchtig? So will sie ihn — Arm? Unglücklich? Gefährlich krank? Mit nichten! gesund und reich, und ganz wie er seyn soll, aber alle diese Vorzüge werden von seiner Häßlichkeit verdunkelt. Zwar bin ich ihm „versichert sie“ dem ohnbeschadet vom Herzen gut, doch die Schwestern und Freundinnen werden nicht müde meines Geschmacks zu spotten, und lächeln schadenfroh so oft er mich die Seine nennt. Wag’ ich es dann, der Lieblosigkeit zum Trotz, ihm unter mehr als vier Augen ein schönes Wort zu sagen, oder wohl gar einen Kuß auf seinen ungebührlich großen Mund zu drücken, so greift die eine nach ihrem Tuch, die andere kichert hinter ihren Fächer, die dritte lacht ihr Strickzeug an und meine Schammröthe verwundet sein Innerstes.

Balsamine schlich jetzt zum nahen Kreuzweg hin, pflückte dort nach langer Wahl ein grün und gelbes Blümchen, kam zurück und sprach: das Gute war immerdar heilbringender als das Schöne und ein reizloser Mann viel reizender als zehn Werthlose; doch wächst für den gedachten Uebelstand ein wundersames Hausmittel am Wege das Du nach Belieben gebrauchen magst. Hat dein unlieblicher Freund zu dreyen Mahlen an dies Blümchen gerochen, so wird er schnell genug der Schönste aller Schönen werden. Amanda glaubte sich gefoppt und suchte die Vorlaute durch einen wegwerfenden Blick zu entfernen, Balsamine aber legte das grün und gelbe Wunder-Blümchen auf ihren Schooß und sagte — „Nur siehe zu, was Du thust, denn manches Uebel ist ein Gut. Schon mancher warf mit der stinkenden Muschel die köstliche Perl weg und den Kern statt der Schale. Treuherz folgt in Noth und Tod, aber Schönlieb ist aller Mädchen Schatten.“ Das Fräulein sprach „Es ist schon gut, sie kann nun gehn.“ Die Alte ging, Amanda sah ihr nach und ihren Amatus in der Allee herabkommen. Die Schwestern haben Recht! „gestand sie sich“ er wird von Tage zu Tage garstiger. Kein Ziegeuner kann bräuner, keine Mohren-Nase stumpfer, kein Juden-Kinn verletzender seyn. Amatus sah von Ferne schon die Falten ihrer Stirn, die hängende Unterlippe, den starren, auf ihre Arbeit gehefteten Blick und setzte sich seufzend an ihre Seite. Sie seufzte auch und schob die Thränen, die sich unaufhaltsam in ihre himmelblauen Augen drängten, auf Rechnung eines heftigen Schnupfens. Er suchte sie durch die Versicherung daß sich jedes heftige Uebel in der Regel am schnellsten erschöpfe, zu erheitern, spielte mit ihrer Busen-Locke und langte bald darauf auch nach dem seltsamen Blümchen das noch auf ihrem Schooße lag. Wollte Gott, dachte sie und sprach im Scherze „Riech ein Mahl!

Es riecht nach gar nichts! „versetzte er, und drückt’ es tief in die häßliche Stumpfnase“ es kriebelt nur!

Ists möglich? „rief Amanda in ihre Hände schlagend“ Ja, ja, sie wächst! Ich seh’s genau; die Nase streckt sich! Mehr verlang ich nicht! Aber schon verschmolz der schwarze Stachelbart in blaue Schatten, die weit geschlitzten Lippen schlossen sich zum Rosenkelche, des Herzens sanfte Flamme strahlt’ aus dem verklärten Augen-Paar, und als ihm die Ungenügsame das Blümchen zum dritten Mahl hart vor die umgeschaffene Nase hielt, wich das Mulatten-Gelb dem herrlichsten Inkarnat der je einen Feen-Günstling verlieblichte, wurden die röthlichen Lichtspieße zu goldenen Locken, formte sich der vieleckige Scheitel zum Apollons-Kopf um.

O Du Göttlicher! rief das Fräulein, erfreute ihn mit feurigen Küssen und beschwor den Verwunderten sie heute auf den Ball zu begleiten.

Amatus war entzückt den Dämon ihrer Laune so schnell entfliehen zu sehn und gab Amanden stracks den Arm. Ihm war als hab er immer so ausgesehn und allen Freundinnen und Bekannten als hab ihnen nur von der Häßlichkeit des engelschönen Mannes geträumt — Jetzt lächelte, statt der Spottsucht, das Verlangen aus diesen; jetzt hatte jede die sonst auf alle Tänze versagt war, die besten für ihn aufgehoben, und die ihn gestern noch wie einen Unhold flohn, suchten den unstäten heute mit allen ihren Zauberkünsten fest zu halten —