Leiser! „bat Auguste“ sie schlummert sanft.
„So schlafen wir auch!“ entgegnete die Erzählerin und setzte sich, erschöpft von Nachtwachen zurecht, um nun ein wenig auszuruhn. Die Baronin aber, der das Mährchen gefallen hatte, versicherte, sie werde sich durch diesen unzeitigen Schlaf die Nacht verderben, und auch Hermine schlug jetzt die sanften Augen auf, und erbat sich die Fortsetzung.
Wenn Ihr es denn befehlt, gnädige Frauen! „sprach Therese,“ so will ich in der wunderseltsamen Geschichte des grünen und gelben Blümchens fortfahren und wünsche nur, daß mein ungeschicktes Bestreben, Eure Nachsicht verdienen mögen.
Auguste nickte lächelnd, Hermine warf ihr einen Kuß zu und diese sprach —
Ihr könnt glauben, daß sich Amanda vor Freuden nicht zu fassen wußte, wenn die Eine sie die beneidenswertheste Braut nannte, die Andre nicht müde ward ihr jeden seiner Reitze vorzuzählen; wenn eine Dritte, Vierte und Fünfte bey jeder Liebkosung die er Amanden brachte, aus Mißgunst theils und theils aus Mitgefühl erröthete. Aber die Freude der Eigensucht ist ein flüchtiger Wildfang. Er fliegt am Arm der eitlen Hore fort und keine Fessel bindet ihn.
Immer hatte der Vielgetreue sonst, von den Grazien gemieden, des Winkes seiner Braut gewärtig gestanden, jetzt mußte sie oft Stundenlang den zarten Hals verlängern um ihn im dichten Mädchen-Kreise auszuspüren. Sonst labte er sie während der Tänze mit Thee, kredenzte ihr bey Tafel den Wein und den Kühltrank, jetzt trank er diesen, erhitzt vom Walzer selbst, und hatte dann soviel mit seiner Mühmchen-Schaar und ihren Nachbarinnen zu verkehren, daß die Vergessene oft voll Ingrimms in den Fächer biß.
Sonst pries er sich selig sein gewaltiges Haupt auf dem Halse einer Huldgöttin wiegen zu dürfen, jetzt scheinen diese Wiegen im Preise gesunken und Hände, die ihm sonst im Pfänderspiel bald Schnippchen schlugen, bald in die Wade stachen, lockten den verwandelten Amatus jetzt, der Taube gleich, mit sanften Flügel-Schlägen. Bald schwindelte ihm der Apollons-Kopf, die Weibergunst blies ein Licht seines Verstandes nach dem andern aus; nur wie zur Frohne schlich er nun mit dem getheilten, erkälteten Herzen zu der schmollenden Braut. Die fromme Gutmüthigkeit, die reine Treue, die sittliche Güte, der schöne Kranz seltener Vorzüge, über dem Amanda früher oft die vermißte Blume der Körper-Schönheit vergessen hatte, war bis auf die letzte Spur verschwunden.
Die getäuschte Braut verwünschte ihre Uebereilung, sah täglich nach allen Winden hin der alten Bettlerin entgegen und in jedem Spital-Weibe Balsaminen. Aber diese ließ sich weder hören noch sehen.
Als endlich das zerfallene Paar eines Abends wieder in finsterer Zwietracht auf der Rasenbank saß, fiel Amanden am Schluß ihrer Gesetz-Predigt, die, gleich allen Predigten, wo nicht ungehört, doch unbeachtet blieb, der Kreuzweg in’s Auge. Sie gedachte des Störenfrieds welchen das Mütterchen dort gepflügt hatte, sammelte von einem Gedanken überrascht, die ganze Flora dieses Platzes in ihre Schürze, tratt vor den schweigenden Flattergeist hin und sprach — Wie kräftig! Riech ein Mahl! Spöttisch warf er den Kopf in die Höhe, Amanda aber flehte jetzt so liebevoll und hob ihr Schürzchen so hoch empor, daß Amatus endlich der unschuldigen Bitte nachgab, zu ihrer Verzweiflung immer noch schöner ward, und nach öfterm Gähnen plötzlich davon ging. Sie sah ihm hoffnungslos, wie damahls Balsaminen nach, und o Himmel, da kam die Fee ganz unverhofft am Krückenstabe in der Allee herab. Amanda griff zu ihrer Arbeit und that als habe sich kein Wässerchen durch ihre Schuld getrübt.
Guten Abend, schönes Fräulein! „sprach das Mütterchen“ ich seh ihr weint nicht mehr, und werdet mir nun um so williger eine Gabe reichen.