Ich wollte alles was ich habe, darum geben „entgegnete Amanda“ wenn mein Liebster noch häßlicher als zuvor, und wieder der Alte wäre. Euer verwünschtes Blümchen hat nichts als Unheil angestiftet, und wenn Ihr mich lieb habt und Euch mein Unglück zu Herzen geht, so sorgt dafür daß er künftig nur mir gefalle, denn wenn auch seine Nase den Kunstsinn nicht befriedigte, so würde ich ihn doch viel lieber ganz ohne diese, als in einer so hoch stehenden sehen; auch zieh ich jetzt ein Auge, das liebevoll an meinen Winken hängt, und wäre es grau und schielend, den schönsten Sternen vor, die ohne Auswahl allen leuchten.

Ihr hättet bedenken sollen „sprach die Fee“ daß es auf Erden keinen Gewinn ohne Verlust, kein Licht ohne Schatten geben kann, und daß die reichsten Geschenke der Natur, in der Regel, durch die häßlichsten Fehler verdunkelt oder aufgewogen werden. Die Vollkommenheit, schönes Fräulein, erscheint hienieden, gleich dem Silberblick edler Metalle, nur wie ein flüchtiges Meteor, und der Phönix ist kein Spielzeug für Kinder die noch, wie Ihr, dem unscheinbaren Kleinod einen rothbäckigen Hampelmann vorziehn.

Das Fräulein gab ihr in allem Recht, bat aber flehentlich um irgend ein anderes Blümchen, das den unseligsten aller Zauber zu lösen, und ihren Amatus wieder so häßlich, aber dabey auch wieder so gut als zuvor zu machen vermöge. Euer nächster Kuß „erwiederte Balsamine“ wird, wenn es Euch anders Ernst damit ist, die Wirkungen des Blümchens aufheben, nur sehet, zu was ihr thut, denn wer nach dem Unvergänglichen strebt, darf kein Opfer scheun, und den Götzen nicht schonen, wenn er die Götter versöhnen will. Am Ende könntet Ihr mich wohl wie gestern verwünschen und ich würde dann ganz unfähig seyn ein so bestandloses Herz zum dritten Mahle zufrieden zu stellen. Aber seht, dort kömmt Euer Ungetreuer mit einer ganzen Schaar lockender Jungfrauen in der Allee herab. So lebt denn wohl, armes Fräulein und fortan in der festen Ueberzeugung, daß nur ein bösartiges Gemüth den Menschen entstellt, ein edles hingegen auch über die entschiedenste Häßlichkeit einen gewinnenden Zauber verbreitet.

Amanda vernahm diese Worte kaum und bemerkte das plötzliche Verschwinden der Fee um so weniger, da ihre gefährlichste Nebenbuhlerin an seinem Arme wandelte und die andere ihm ein Liedchen vorsang, daß die Sehnsucht des liebekranken Herzens aussprach. Sie rauschte einer Windsbraut ähnlich, nach der Allee hin. Amatus ließ, von dem Anblick bestürzt, den Arm der Begleiterin aus dem seinen fallen und fühlte seine Lippe mit tausend gierigen Küssen bedeckt. Der Mädchen-Kreis schlich spöttelnd und beschämt abseits, sie aber lachte laut als das Antlitz des Geküßten plötzlich in die frühere, abschreckende Form zurückschnellte. Sie lachte zu früh.

O Himmel „rief jetzt Amatus“ wie siehst Du aus? Was ist meiner Amanda begegnet? Welcher schadenfrohe Zauberer hat Dich Arme in einen Spiegel verwandelt der mein abstoßendes Ebenbild zurückwirft? Erblassend warf Amanda einen Blick in den Bach der zu ihren Füßen wallte, und sank bewußtlos an ihm nieder, denn Amatus hatte Recht.

Ermahne Dich! „bat er, als das frische Wasser mit dem er die Verwandelte bespritzte, sie aus dem Scheintod des Entsetzens erweckte“ Wir wollen nun recht glücklich seyn! Mir ist aus der Götterlehre bekannt wie es dem Häßlichen erging als es sich mit dem Schönen vermählt hatte, und welche Rolle dem armen Vulkan an der Seite der Liebesgöttin zu Theil ward. Dieser Sorge seh ich mich jetzt auf immer überhoben und Ergebung in das unbeugsame Schicksal wird Amanden in meinen Augen viel reitzender als vorhin machen.

Die Unglückliche beweinte jetzt ihr thörichtes Beginnen und fast ging ihr der doppelte Verlust ihres schuldlosen Freundes mehr noch als der eigene, verschuldete zu Herzen. Der Bräutigam aber war nie fröhlicher gewesen und die junge Frau bereits seit Jahr und Tag mit dem Schicksal versöhnt, als ein engelschönes Kind sie für das mannigfache, aus dem Verkehr mit der Fee erwachsene Unheil entschädigte. Kaum hatte Amanda den Kleinen an ihr Herz gedrückt als sie plötzlich wieder schöner denn je ward; kaum neigte sich der gerührte Gatte zu dem Engel nieder als ihm dasselbe wiederfuhr. Das liebende Paar umarmte sich, still entzückt, über dem Kinde und ich Ungeliebte bitte die gütige und weise Balsamine, daß sie meine gnädigen Frauen sowohl als diesen kleinen Fee-Sohn in ihren freundlichen und mächtigen Schutz nehme.

Allerliebst! „sprach Auguste“ und Dir bescheere sie einen Amatus.

Hermine, die zu schlummern schien, richtete sich plötzlich auf und sprach — Es ist nicht gut daß Ihr es wagtet mich so plötzlich, so ohne alle Vorbereitung zu erfreuen. Aber, warum zaudert Er denn? Führt ihn doch näher — Her an mein Herz! Ach, Du Geliebter!

Auguste und Therese sahen sich betroffen an und nach der Thüre hin an der Herminens Augen fest hingen, dort aber ließ sich nichts erblicken und die Kranke sank mit geschlossenen Augen in das Kissen zurück.