Da berichtete ihm denn der Geist ausführlich, zu welcher Klasse von Geistern er selbst gehöre, wieviel der bösen Geister seien, warum der Teufel aus dem Himmel verstoßen worden; er erzählte ihm, wiewohl widerwillig und voll Ingrimm, vom Himmel und den himmlischen Heerscharen, von den Engeln vor Gottes Thron, vom Paradies; dann wieder von der Ordnung der Teufel, von ihrer Hoffnung, dereinst noch selig zu werden, und von der Hölle. Da denn der Geist seine Rede mit den nachdenklichen Worten beschloß: »Wenn ich aber ein Mensch geboren worden wäre, wie du, o Fauste, so wollte ich Tag und Nacht meine Hände mit Danksagung gegen Gott im Himmel aufheben, daß er seinen Sohn mit dem menschlichen Fleisch und Blut bekleidet hat; sich des menschlichen Geschlechtes annimmt, daß er es von des Teufel Gewalt erlöse, der Teufel ärgster Feind worden, und dem Menschen das ewige Leben gibt; dagegen muß der Teufel in der Hölle wiederum büßen, was er verderbet hat: solcher Erlösung, mein Herr Fauste, bist auch du teilhaftig gewesen, aber nun, wegen deiner zeitlichen Pracht, Ehrgeizes und Hoffart, hast du solche verscherzt und mußt ohne allen Zweifel gleicher Verdammnis mit dem Teufel, den du hiezu gleichwohl herbeigerufen hast, in der Höllen gewärtig sein.« Auf diese ungescheute Aussage des Geistes schwieg Doktor Faust und entließ den Geist.

Als er aber des Nachts zu Bette gegangen, klangen ihm die Reden des Geistes unaufhörlich in den Ohren, wie ein ferner Sturmwind, worüber er seufzte und also mit sich selbst sprach: »Ach, du elender und verfluchter Mensch, dir hat Gott Leib und Seele gegeben, diese solltest du besser verwahret haben! Zudem, wie hätte doch Gott der Herr seine Güte, Gnade und Barmherzigkeit reichlicher gegen dich ausschütten oder dir zueignen können, denn daß er seinen einigen Sohn in diese Welt gesendet, auf daß er das verderbte menschliche Geschlecht wiederum zurecht brächte, und die Menschen das ewige Leben hierdurch im Glauben erlangen möchten? Dafür sollte ich ja billig, wie der Geist ganz recht gesagt, mein Lebenlang dankbar gewesen sein! Ach! daß ich um eines so kurzen und zeitlichen wollüstigen Lebens willen mich mit dem Teufel also böslich verbunden habe! Nunmehr aber ist es mit meiner Buße und Reue ohne allen Zweifel zu spät. Ach! daß ich nur noch ein kleines Fünklein eines rechten Glaubens hätte zu Christo, oder daß ich Macht und Erlaubnis hätte, mich mit einem Geistlichen zu unterreden, auf daß ich von ihm einigen Trost, oder wohl gar die Vergebung meiner schweren Sünde empfinge! Aber von nun an wird es leider viel zu spät sein!«


So saß denn einmal Doktor Faust, den Kopf in der Hand haltend, daheim in großem Unmut und dachte seinem künftigen bösen Zustand nach, wie er sich so leichtfertig dem Teufel ergeben hätte, der ihn nun nach seinem Gefallen regiere und führe: daher er seinen Geist ob der Mittagsmahlzeit, da er niemand um sich gehabt, fragte, ob ihn denn der Teufel wie andere sichere und gottlose Menschen schon vorlängst auch regiert und besessen hätte? Dem gab Mephistopheles zur Antwort: »Ja, dein Herz oder vielmehr dein ganzes Leben war von Jugend auf nicht recht beschaffen noch richtig nach Gottes Wort; daher wir es bald eingenommen, denn wir sahen deine Gedanken, womit du umgingst, und wie du niemand sonst zu deinem Vorhaben möchtest gebrauchen können, denn den Teufel; siehe, so machten wir deine Gedanken, womit du umgingst, noch frecher und kecker, auch so begehrlich, daß du Tag und Nacht nicht Ruhe hattest, sondern daß dein Dichten und Trachten nur dahin stand, wie du Zauberei zuwegen bringen möchtest: auch da du hernach uns beschwurest, machten wir dich erst so frech und verwegen, daß du dich eher dem Teufel hättest hinführen lassen, ehe du von solchem Zauberwerk wärest abgestanden: hernach verhärteten wir dein Herz noch mehr, bis wir es so weit gebracht, daß du nunmehr von deinem Vornehmen nimmer würdest abstehen, allezeit dahin trachtend, wie du einen Geist möchtest herbeilocken, bis es uns endlich gelungen, daß du dich mit Leib und Seel' unserm Fürsten Luzifer ergeben; was alles dir denn, mein Herr Faust, nicht unbekannt sein kann!«

»Es ist wahr,« sagte hierauf Doktor Faustus, »nun kann ich aber nicht mehr anders tun, auch habe ich mich selbst gefangen; hätte ich gottseligere Gedanken gehabt, mich mit dem Gebet zu Gott gehalten und den Teufel nicht so sehr bei mir einwurzeln lassen, so wäre mir solches alles nicht begegnet; ei, was habe ich getan!« Da antwortete der Geist: »Da siehe du zu.« Also stand Doktor Faustus zur Stunde vom Tisch auf und ging traurig aus dem Haus hin zu guter Gesellschaft, damit er daselbst seine Schwermut und Melancholie besser vertriebe und die Zeit anders zubrächte.


In Wahrheit hatte aber Faust auch ein herrliches Leben voll zeitlicher Macht und Wollust. In einem schönen, stattlichen Hause bewohnte er zwei Säle, dort vernahm man mitten in der Winterszeit den Zusammenklang eines lieblichen Vogelgesanges; die Amsel, die Wachtel schlug fröhlich, die Nachtigall tirilierte unvergleichlich; der Papagei, gegenüberhängend, redete aufs zierlichste: die Zimmer waren mit den schönsten Tapeten behangen, mit herrlichen Gemälden geziert und mit Kostbarkeiten aller Art ausgestattet. Im Vorhofe des anstoßenden Zaubergartens sah man mit Lust indianische Hähne und Hennen, Rebhühner und Haselhühner, Kraniche, Reiher, Schwäne und Störche, ohne alle Scheu, lustwandeln. Der Garten selbst war nicht sonderlich groß, aber ausbündig herrlich, denn da, wiewohl sonst zur Winterszeit in der Stadt alles mit Schnee bedeckt war, sah man nie Winter, sondern immer nur lustigen, fröhlichen Sommer mit Gewächsen, Laub und Gras und den buntesten Blumen; dazu waren schöne Weinstöcke zu sehen mit mancherlei Trauben behängt, alle schon reif; bunte Tulpen, gefüllte Josephsstäbe, Narzissen und Rosen blühten und flammten dazwischen. An den Mauern des Gartens der Länge nach waren Granaten-, Pomeranzen-, Limonien- und Zitronenbäume in schnurgeraden Reihen aufgestellt; Kirschen-, Birn- und Apfelbäume standen bunt durcheinander, wie ein Wald, und alle hingen immer voll Früchte. Ja, da mochte man erst Wunder sehen, denn da waren Birnbäume, die trugen Datteln, und junge Kirschbäume, daran hingen Feigen; und wiederum an dichten Apfelbäumen waren zeitige schwarze Kastanien zu sehen. Zu oberst im Hause, da stand ein schmuckes Taubenhaus, darin flogen Tauben aller Art und von den seltensten Farben, und nicht nur zahme, sondern auch wilde Feldtauben aus und ein. Unten aber im Hause, vor einem Stall an der Einfahrt, lag des Doktor Faustus großer Zauberhund, der ihm, wenn er aus dem Hause ging, nicht von der Seite wich. Sein Name war Prästigiar oder Hexenmeister; der hatte Augen ganz feuerrot und graulich, und schwarzes zottiges Haar; wenn ihm aber Faust über den Rücken fuhr, verwandelte sich seine Farbe und wurde bald grau, bald weiß, bald gelblich oder braun, und das Tier machte gar seltsame Sprünge und Gaukeleien, wenn es mit seinem wunderlichen Herrn, der auch seinen eigenen Schritt hatte, dahinpudelte.


Nun lasset euch aber auch eins um das andere von den lustigen Stücken und Teufeleien erzählen, die der Erzschwarzkünstler Doktor Faustus mit Hilfe seines Geistes Mephistopheles da und dort in der Welt ausübte.