Daß er lebendig macht, wird ihn lebendig machen.
[Zwölftes Kapitel]
Du fragest nach dem Ob; ich antwortete mit dem Wie. Der Glaube erspart die Frage des Ob; doch wird sie getan, so gibt es nur die eine Antwort darauf durch das Wie; und solange das Wie nicht fest steht, wird das Ob nicht aufhören zu gehen und zu kommen.
Hier steht der Baum; manch einzeln Blatt davon mag fallen; doch sein Grund und sein Zusammenhang ist fest und gut. Er wird immer neue Zweige treiben, und immer neue Blätter werden fallen; er selbst wird nicht mehr fallen; wird Blüten der Schönheit treiben, und statt im Glauben zu wurzeln, Früchte des Glaubens tragen.
[Nachschrift]
Die erste Anregung zu der in dieser Schrift ausgeführten Idee, daß die Geister der Gestorbenen als Individuen in den Lebenden fortexistieren, ward mir durch eine Unterredung mit meinem, damals in Leipzig, jetzt in Halle lebenden Freunde, Professor Billroth. Indem diese Idee in eine Reihe verwandter Vorstellungen bei mir teils eingriff, teils solche erweckte, hat sich dieselbe auf vorstehende Weise gestaltet und durch eine Art notwendigen Fortschritts zur Idee eines höhern Lebens der Geister in Gott erweitert. Inzwischen hat der Urheber derselben, wie in der Religionsphilosophie überhaupt, so namentlich in der Unsterblichkeitslehre, eine von der hier verfolgten ganz verschiedene und sich direkter an das kirchliche Dogma anschließende Richtung genommen, welche ihn sogar von jener Grundidee großenteils oder ganz wieder abgeführt hat, daher ich, indem ich ihn als Schöpfer derselben glaubte bezeichnen zu müssen, doch nicht mehr als ihren Vertreter zu nennen wage. Die eigenen Ansichten dieses Philosophen über den betreffenden Gegenstand wird man in einem, demnächst von demselben zu erwartenden, Werke entwickelt finden.
Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig