[1] Die Bezeichnungen starke und schwache Deklination sind ebenso wie das Wort Umlaut von Jakob Grimm gebildet.
[2] Einige Wörter, wie Auge, Bett u. a., werden in der Einzahl stark, in der Mehrzahl schwach dekliniert. Diese faßt man als gemischte Deklination zusammen.
[3] Mit Ausnahme von Friede und Gedanke, die im Mittelhochdeutschen (vride, gedanc) zur starken Deklination gehörten.
[4] Auch der Nominativ Felsen neben Fels ist auf diese Weise entstanden; das Wort gehört ursprünglich der starken Deklination an, daher ist gegen die Dativ- und Akkusativform Fels (Vom Fels zum Meer) nichts einzuwenden.
[5] Etwas andres ist es in Fällen, wo die falsche Form die alte, richtige aus dem Sprachbewußtsein schon ganz verdrängt hat, wie bei Braten, Hopfen, Kuchen, Rücken, Schinken u. a., die im Mittelhochdeutschen noch brate, hopfe usw. hießen.
[6] Der Apostroph sollte nur da angewandt werden, wo er eine Verwechslung verhüten kann, z. B. zwischen dem Präsens rauscht und dem Imperfektum rauscht’ (Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll), oder zwischen der Einzahl Berg und der Mehrzahl Berg’ (über Berg’ und Täler). Hier bedeutet er wirklich etwas, und hier kann man ihn bei gutem Vorlesen sogar – hören!
[7] Diese schwache oder aus schwacher und starker gemischte Deklination der Eigennamen war früher noch viel weiter verbreitet. Nicht bloß Schwarz und Schütz wurden dekliniert Schwarzens, Schwarzen, Schützens, Schützen, weshalb man aus den casus obliqui nie entnehmen kann, ob sich der Mann Schwarz oder Schwarze nannte; auch von Christ, Weck, Frank, Fritsch bildete man Christens, Christen, Weckens, Wecken, Frankens, Franken, Fritschens, Fritschen (Leipzig, bei Thomas Fritschen). Daher findet man in antiquarischen Katalogen Christs Buch „Anzeige und Auslegung der Monogrammatum“ meist unter dem falschen Namen Christen, Wecks Beschreibung von Dresden meist unter dem falschen Namen Wecken aufgeführt; auf den Titelblättern steht wirklich: von Christen, von Wecken. Die berühmte Leipziger Gelehrtenfamilie der Mencke, aus der Bismarcks Mutter abstammte, war durch ihre casus obliqui so irre geworden, daß sie schließlich selber nicht mehr wußte, wie sie hieß; deutsch schrieben sie sich Mencke, aber latinisiert Menckenius. Aber auch bei solchen Genitiven auf ens richtet der Apostroph oft Unheil an. An Stieglitzens Hof am Markt in Leipzig steht über dem Eingang in goldner Schrift: Stieglitzen’s Hof – als ob der Erbauer Stieglitzen geheißen hätte. Und welche Überraschung, wenn einem der Buchbinder auf einen schönen Halbfranzband gedruckt hat: Hans Sachsen’s Dichtungen!
[8] Wie lange soll übrigens noch in der deutschen Schrift der Zopf der römischen Ziffern weitergeschleppt werden? Warum druckt man nicht Heinrichs 8., Ludwigs XIV.? Auch in andern Fällen werden die römischen Ziffern ganz unnötigerweise verwandt. Warum nicht das 12. Armeekorps, warum immer das XII. Armeekorps? Fast alle unsre Historiker scheinen zu glauben, es klinge gelehrter, wenn sie schreiben: im XVIII. Jahrhundert. Eigentlich sollte man im Druck überhaupt Ziffern nur für das Datum und für rechnungsmäßige, z. B. statistische, finanzielle, astronomische Angaben verwenden, also nicht drucken: Unser Leben währet 70 Jahre. Vornehme Druckereien haben sich auch früher so etwas nie erlaubt. Von den Zifferblättern unsrer Uhren verschwinden erfreulicherweise die römischen Ziffern immer mehr.
[9] Daher schreibt man auch auf Büchertiteln: Von Pfarrer Hansjakob, von Prof. A. Schneider (statt von dem Professor), wo bloß der Titel gemeint ist.
[10] Geschmacklos ist es, vor derartige Appositionen, wo sie wirklich den Beruf, das Amt, die Tätigkeit bedeuten, noch das Wort Herr zu setzen: der Herr Reichskanzler, der Herr Erste(!) Staatsanwalt, der Herr Bürgermeister, der Herr Stadtverordnete, der Herr Vorsitzende, der Herr Direktor, der Herr Lehrer (die Herren Lehrer sind während der Unterrichtsstunden nicht zu sprechen), der Herr Königliche Oberförster, der Herr Organist, der Herr Hilfsgeistliche, sogar der Herr Aufseher, der Herr Expedient, die Herren Beamten usw. Wenn das Herr durchaus zur Erhöhung der Würde dabeistehen soll, so gehört es unmittelbar vor den Namen: der Abgeordnete Herr Götz, der Organist Herr Schneider, der Hilfsgeistliche Herr Richter usw. Fühlt man denn aber nicht, daß der Reichskanzler, der Bürgermeister und der Direktor viel vornehmere Leute sind als der Herr Reichskanzler, der Herr Bürgermeister und der Herr Direktor? Wie vornehm klangen die Theaterzettel der Meininger, wie lächerlich klingt eine Liste der Prediger des nächsten Sonntags, wenn sie alle vom Superintendenten bis herab zum letzten Kandidaten als Herren aufgeführt sind! Das allerlächerlichste sind wohl die Herren Mitglieder. Wie heißt denn davon die Einzahl? der Herr Mitglied? oder das Herr Mitglied?