[11] Obwohl sich schon im fünfzehnten Jahrhundert in Urkunden findet: das Haus, das Peter von Dubins (Peters von Düben) oder das Nickel von Pirnes (Nickels von Pirne) gewest, als das Gefühl für den Ortsnamen noch viel lebendiger war als bei unsern heutigen Adelsnamen.

[12] In München und in Wien fahrt man in Wägen! Die Nägel, die Gärten u. a. sind freilich schon längst durchgedrungen, während es im sechzehnten Jahrhundert noch hieß: die Nagel, die Garten.

[13] Ausgenommen sind nur Mutter und Tochter, die zur starken, und Bauer, Vetter und Gevatter, die zur gemischten Deklination gehören. In der Sprache der Technik aber, wo Mutter mehrfach im übertragnen Sinne gebraucht wird, bildet man unbedenklich die Muttern (die Schraubenmuttern).

[14] Vereinzelt ist auch in Fachkreisen die alte Form lebendig geblieben. Der Leipziger Zimmermann sagt noch heute: die Bret, die Fach, nicht die Bretter, die Fächer.

[15] Als die Schlösser aufkamen, müssen Menschen von feinerem Sprachgefühl etwa dasselbe gefühlt haben, was man heute fühlen würde, wenn jemand von Rössern reden wollte.

[16] Faß e mal das Ding an den Dingern hier an, daß die Dinger drinne nich gedrückt werden. D. h. fasse den Korb an den Henkeln hier an, daß die Hüte drin nicht gedrückt werden.

[17] Auch bei Lohn sind seit alter Zeit beide Geschlechter üblich: aber auch hier hat das Neutrum jetzt einen niedrigen Beigeschmack. Dienstmädchen verlangen hohes Lohn, Gesellen höheres Macherlohn oder Arbeitslohn; aber jede gute Tat hat ihren schönsten Lohn in sich selbst.

[18] Wenn ein Hauptwort in seinem Geschlecht schwankt, so hat das Neutrum nicht selten etwas gemeines. Es hängt das damit zusammen, daß nicht bloß der ungebildete Fremde, der des Deutschen nicht mächtig ist, alle deutschen Hauptwörter im Zweifelfalle sächlich behandelt (das Bruder, das Offizier, das Kutscher), sondern auch der ungebildete Deutsche ebenso mit Fremdwörtern verfährt. Man denke nur an die unausstehlichen Neutra unsrer Handlungsreisenden, Ladendiener, und Ladenmädchen: das Firma, das Fasson, das Etikett, das Offert, das Makulatur! Das neueste ist das Meter, das die Handlungsdiener und Ladenmädchen doch wahrhaftig nicht dem griechischen μέτρον zuliebe plötzlich als Neutrum behandeln!

[19] Vielleicht ist es dort über die Niederlande aus dem Französischen eingedrungen; dann würde es schließlich auch auf die romanische Quelle zurückgehen.

[20] Von Wörtern weiblichen Geschlechts wird immer der Plural gebildet: zwei Mandeln Eier, drei Ellen Band, sechs Flaschen Wein, zehn Klaftern Holz, vier Wochen alt.